Wir sind der

Osten

Konrad Erben

Konrad Erben ist Student und politischer Bildner und 1990 in Jena geboren.

Geblieben: Konrad lebt heute in Jena.

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Weshalb bist du geblieben?

Jena ist meine Heimat. Hier bin ich geboren, groß geworden, zur Schule gegangen, habe meine Ausbildung gemacht, gearbeitet und hier studiere ich auch. Meine Familie ist hier, meine Freund*innen ebenso. Woanders zu leben hat sich nie ergeben, ich habe es aber nie ernsthaft in Betracht gezogen. Nach meinem Bachelorabschluss werde ich nach Hamburg gehen, weil es dort einen spannenden kriminologischen Master gibt. Hätte ich dieselbe Möglichkeit hier, würde ich bleiben.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich arbeite in der politischen Jugendbildung. Vorher habe ich viele Jahre Partei- und Jugendverbandsarbeit gemacht. Bei den politischen Jugendverbänden landen aber z. B nur die Jugendlichen, die sich ohnehin für Politik und Teilhabe interessieren. Hinzu kommt, dass ich die ersten rassistischen Erfahrungen schon in der Grundschule gemacht habe. Von Mitschüler*innen. Die mögen nur reproduzieren, was Erwachsene ihnen vorleben, dass macht es für Betroffene aber nicht weniger schlimm. Ich arbeite deswegen schon mit jungen Menschen daran, dass sie eine politische Haltung entwickeln, die auf Demokratie und Menschenrechten basiert. Grade im Osten ist das bitter nötig.

  • 1989

    Jena

  • 2019

    Jena

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

1 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich habe lange gezögert, die Frage mit ja zu beantworten. Eigentlich fühle ich mich nicht besonders (Ost)deutsch. Aber es gibt Situationen, wo es mir bewusst wird. Zum Beispiel, wenn Kommiliton*innen aus Westdeutschland sich über lokale Speisen oder Plattenbauten echauffieren. Da sitze ich dann über meinem Jägerschnitzel und frage mich, was man gegen diese effiziente und monumentale Bauweise nur haben kann.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Keine. Meine Mutter war eine alleinerziehende, langzeitarbeitslose Wendeverliererin. Wir haben wie viele andere in der verhältnismäßigen Armut staatlicher Transferleistungen gelebt. Gleichzeitig haben wir auch massiven und gewalttätigen Rassismus erfahren, dem People of Colour in Ostdeutschland stärker ausgesetzt waren und sind.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir mehr politisches Bewusstsein und weniger gesellschaftliches nach unten treten. Es macht mich wahnsinnig, wie hoch hier die Zustimmungswerte zu gruppenbezogen Menschenfeindlichen Aussagen und die Wahlergebnisse der AfD und früher anderer extrem rechter Parteien sind und waren. Es mag ja sein, dass die Menschen hier teilweise ökonomisch und gesellschaftlich abgehängt sind. Aber das rechtfertigt nicht, sich einer Partei zuzuwenden, die Hass und Ausgrenzung propagiert. Mal abgesehen davon, dass deren neoliberale Wirtschafts- und Sozialentwürfe den Menschen die heute schon wenig haben nichts bringen, sondern nur noch mehr Ausbeutung bedeuten würden.