Wir sind der

Osten

Polina Boyko

Polina Boyko ist 1991 in Taschkent geboren und später nach Ostdeutschland gezogen.

Rübergemacht: Polina wohnt aktuell in Dresden, wo sie als Redakteurin und Content Managerin arbeitet.

Das Profil teilen:

Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Eher zufällig. Ich hatte nach der Schule das Bedürfnis, weit von zu Hause wegzuziehen und habe mich bundesweit an Universitäten beworben. Unter den Universitäten, an denen ich für mein Bachelorstudium angenommen wurde, war auch die TU Dresden – die Entscheidung für Dresden fiel dann, weil ich die Stadt bereits durch einen Nebenjob positiv in Erinnerung hatte.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich habe vier Jahre das Jugendmagazin SPIESSER redaktionell geleitet. SPIESSER wurde vor 25 Jahren in Dresden gegründet, erscheint vier Mal im Jahr und liegt bundesweit vor allem an Schulen aus. Online ist das Magazin ebenfalls präsent. Meine Haupttätigkeit bestand in der Konzeption der Ausgaben. Die Inhalte wurden von Autorinnen und Autoren im Alter von 15 bis 30 Jahren mit Unterstützung unserer Redaktion produziert. Diese Zusammenarbeit und die Beiträge selbst, in denen sich junge Menschen mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen, gestalten die Zukunft. Da es für mich Zeit wurde für neue Aufgaben, habe ich mich vor Kurzem entschieden, die SPIESSER-Redaktionsleitung abzugeben.

  • 1991

    Taschkent

  • Wuppertal

  • Finnland

  • Israel

  • 2020

    Dresden

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Ich fühle mich aber auch nicht westdeutsch. Ich fühle mich mehreren Kulturen und Sprachen verbunden – die Erfahrung der Immigration nach Deutschland ist für mich deutlich prägender und identitätsstiftender, als der Umzug von Westdeutschland nach Ostdeutschland.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Ich erinnere mich nicht an besondere Reaktionen. Für mein Umfeld war es relevanter, dass ich so weit wegging, als dass ich in den Osten zog. Dass die Wiedervereinigung noch so sehr nachwirkt, ist mir generell erst in Dresden und in dem Austausch mit den Menschen hier bewusst geworden.

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Das kann ich nicht beurteilen, da weder ich noch meine Familie zu dem Zeitpunkt in Deutschland gelebt haben.

Aktuell sehe ich vor allem meine Kollegen, Bekannten und Freunde in Dresden, in NRW oder im Ausland. Die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, nutzen die einen mehr, die anderen weniger. Das ist jedoch eher charakter- als herkunftsbedingt.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Zahlreiche neue Vokabeln, eine neue Zeitrechnung, Diskutieren.

Ich habe sehr viel gelernt, seitdem ich zum Studium nach Dresden gezogen bin, ich bin selbstständiger geworden, habe im Ausland gelebt, bin immer wieder nach Dresden zurückgekehrt, habe meine ersten beruflichen Erfahrungen gemacht, beste Freunde gefunden – aber hat etwas davon explizit damit zu tun, dass Dresden in Ostdeutschland liegt? Ich glaube, ehrlich gesagt, nein.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Weniger Wir-gegen-die-Denken, mehr „benefit of the doubt“.