Wir sind der

Osten

Eric Hattke

Eric Hattke ist Vorsitzender des Atticus e.V. und Geschäftsführer der Sächsischen Bibliotheksgesellschaft und 1991 in Hoyerswerda geboren, in der Nähe von Dresden aufgewachsen.

Geblieben: Eric wohnt heute in Dresden.

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Weshalb bist du geblieben?

Ich bin in einem Viergenerationenhaushalt als Einzelkind aufgewachsen. Die enge Bindung zu meiner Familie hat mich dazu bewogen, nicht zu weit von ihnen entfernt zu wohnen. Da meine Hauptziele die Stärkung der Demokratie und die langfristige Sicherstellung unserer Freiheiten sind, gibt es keinen anderen Ort, an dem ich lieber wäre. Sachsen und Dresden stehen vor enormen gesellschaftlichen Aufgaben. Genau hier ist der Ort, an dem ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden und viel bewirken zu können.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Meine Aufgabe ist es, die ca. 500 Bibliotheken in Sachsen zu Zentren der Begegnung aller Generationen, Kulturen und gesellschaftlichen Schichten, des Austausches, der Demokratiestärkung, des Wissenstransfers und der Ehrenamtsförderung weiterzuentwickeln. Dabei setzten wir vor allem auf vielfältige Veranstaltungsangebote und die Einbindung der Zivilgesellschaft. Beim Ehrenamt bei Atticus sind unsere Ziele die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und der Abbau gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Dazu organisieren wir die Diskussionsveranstaltungen TACHELES, die Ideenkonferenz TEDxDresden, einen Brunnen- und Schulbau in Burkina Faso, Literaturabende, Seminare u.v.m.

  • 1991

    Hoyerswerda

  • Heute

    Dresden

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

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Fühlst du dich Ostdeutsch?

Natürlich ist die Kategorie „ostdeutsch“ mit Klischees beladen und voller konkreter Unkonkretheit. Ich bin aber der Meinung, dass es zentrale Unterschiede in der Selbstbeschreibung und Erfahrung zwischen Ost und West gibt. Mit weiteren Generationen werden diese aber immer mehr an Bedeutung verlieren, sollte sich das Gleichgewicht zwischen demokratische und undemokratischer Kräfte nicht weiter zu Gunsten der Antidemokraten verschieben. Mein „Gefühl“ von ostdeutsch zu sein, beruht vor allem auf meiner nicht vorhandenen Erfahrung mit Migranten in meine Kindheit. Während in westdeutschen Bundesländern Migranten Normalität wurden, waren und sind sie häufig einfach „die Fremden“.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine Familie war in der DDR, auch heute noch, selbstständig im Fuhrgewerbe. Dass die DDR selbstständige Ambitionen alles andere als unterstützte, versteht sich aus dem System. Die Weigerung meiner Familie, sich einer Ideologie einfach anzupassen, auch wenn dies Repressionen bis hin zu körperlichen Bedrohungen bedeuten kann, hat mich nachhaltig beeindruckt und wirkt als moralischer Kompass für mein Leben. Die Wende war für sie natürlich ein Befreiungsschlag in politischer Hinsicht. Mich hat es immer beeindruckt, wie meine Familie, auch wenn sie in einem sehr kleinen ostdeutschen Dorf sozialisiert wurden, ihren Blick für den Rest der Welt, über den eigenen Tellerrand hinaus, beeinflusst hat.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Dass es Migration als eine Chance für positive Entwicklung versteht. Dass es seine Minderwertigkeitskomplexe gegen berechtigte Kritik MIT konkreten Verbesserungswünschen austauscht, die selbst vorgelebt werden. Dass die Gesellschaft Antidemokraten durch demokratisches und selbstbewusstes Auftreten zeigt, wo die Grenzen ihrer Handlungsräume liegen. Dass es Freiheiten verteidigt, anstatt sie durch deren unüberdachtes Einfordern für undemokratischen Unfug auszuhöhlen. Dass es den kulturellen Reichtum seiner Regionen selbstbewusst präsentiert, ohne sich über andere zu erhöhen.