Wir sind der

Osten

Alexander Urban

Alexander Urban ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und 1979 in Spremberg geboren und in Cottbus aufgewachsen.

Geblieben: Alexander lebt heute in Potsdam.

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Weshalb bist du geblieben?

Ich bin geblieben, weil sich keine Gelegenheit ergab, in die alten Bundesländer zu gehen, aber auch, weil ich gar keine Lust hatte, die neuen zu verlassen. Nach meinem Studium bin ich in die Nähe von Berlin gezogen. Hier ist es eben wegen der Nähe zu Berlin, den Menschen, der Umgebung und der allgemeinen Lebensqualität so lebenswert, dass ich mir nicht vorstellen kann, wegzugehen. Das Zeitfenster, eine Entscheidung zu treffen, ob ich die neuen Bundesländer verlassen möchte, war also einfach zu klein. Und wer weiß schon, was passiert wäre, wenn ich mich im meiner jetzigen Heimat nicht so wohlfühlen würde.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Administrator der Facebook-Gruppe #ichbinhier möchte ich gemeinsam mit unseren 46.000 Mitgliedern die Diskussionskultur auf Facebook verbessern und damit zu einer anständigen Debattenkultur und zu einem vielfältigen Meinungsbild in den Kommentarspalten beitragen. Wir setzen damit ein persönliches und zugleich zivilgesellschaftliches Statement für Demokratie, Toleranz, Vernunft und eine liberale weltoffene Gesellschaft. Gemeinsam gegen toxische Kommentare in den Kommentarspalten. Wir haben keine Lust mehr, uns die Gesellschaft vergiften zu lassen. Und wir wollen nicht zulassen, dass diejenigen, die sachlich und mit Anstand diskutieren wollen, online verjagt werden.

  • 1979

    Spremberg

  • 2019

    Potsdam

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich fühle mich deutsch. Ich habe aber auch ein großes ostdeutsches Herz: Ich bin hier aufgewachsen. Ich sympathisiere mit den Menschen im Osten, zumindest im allgemeinen. Ich weiß, wie die Menschen denken, was sie umtreibt. Ich leide mit ihnen, sehe, was sie beschäftigt. Auf der anderen Seite verstehe ich sie auch wieder nicht, wenn sie die eigene Vergangenheit verklären und glauben, es geht ihnen heute schlechter als damals. Wenn sie glauben, sie leben in einer Diktatur und wenn sie glauben, sie dürfen nicht sagen, was sie wollen. Ich möchte sie dann schütteln und ihnen sagen, dass das kompletter Unsinn ist. Aber für alles gibt es eben auch Grenzen. Und die stehen im GG.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich weiß, dass es mir sehr gut geht, und ich weiß aber auch, dass es anderen im Osten (und im Westen natürlich) viel schlechter geht. Die Wendeerfahrung hat mich persönlich nicht stärker gemacht. Ich war 9 oder 10 Jahre alt. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Mich haben hingegen die 90er Jahre beeinflusst. Die Zeit nach der Wende. Die Zeit der Glatzen, der Faschos, der Neo-Nazis, der roten Tücher, die aus den Hosen geguckt haben. Die Angst am Baggersee vor Übergriffen. Vermutlich hat mich das demütig gemacht. Ich bin sehr auf dem Boden gebleiben, das erlebe ich aber bei vielen Ostdeutschen. Irgendwie spürt man daran die gegenseitige Herkunft.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass die Ostdeutschen ihre Identität und ihre Geschichte souveräner verkaufen. Damit meine ich vor allem, dass sie nicht denen folgen, die ihnen Stillstand versprechen, sondern dass sie selbstbewusster ihre Stärken betonen und nicht über vergangenes jammern. Ich wünsche mir aber auch, dass die Ostdeutschen erkennen, was für ein Geschenk sie mit der Wende bekommen haben. Dass sie endlich selbstbewusst ihre Geschichten erzählen und dass sie dafür nicht belächelt werden. Ich wünsche mir aber auch, dass die ostdeutsche Geschichte nicht wie ein Comic oder eine Komödie wahrgenommen wird. „Sonnenalle“, „Goodbye Lenin“. Die DDR hat Menschen getötet und für immer gebrochen.