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Osten

Amac Garbe

Amac Garbe ist Fotograf und 1979 in Dresden geboren.

Zurückgekehrt: Amac lebt heute in Dresden.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich bin 1995 von Dresden nach Schwäbisch Hall gezogen, weil meine Mutter dort heiratete. Abgesehen davon, dass es ja immer einschneidend ist, von der Großstadt aufs Land zu ziehen: Damals war der Westen noch der „Goldene Westen“. Da gab es also z.B. das zu kaufen, das man in Dresden (noch) nicht bekam – für mich als 15-Jähriger ein echtes Positiv-Argument. Dresden war kaputt, grau und sehr stark im Umbruch. Schwäbisch Hall war nie kaputt, war bunt und alles hatte seine kleinstädtische Routine. Das war fürs Erwachsenwerden perfekt. 2005 entschied ich mich wieder für Dresden. Der ostdeutsche Umbruch fühlte sich nun sehr nach Aufbruch an, vieles wuchs und spross ständig neu – großstädtisch belebend.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich bin seit 20 Jahren Pressefotograf und arbeite nicht nur für Publikationen, sondern auch für Institutionen und Unternehmen – immer mit dem Fokus auf den Menschen und nie für Firmen oder Parteien, die nicht für eine gute, fortschrittlich-menschliche Zukunft stehen. Auch bin ich Mitherausgeber und Fotograf des deutschlandweit jährlich einmal erscheinenden Buchmagazins „Stadtluft Dresden“ – eine unabhängige Publikation, ohne PR und Schönfärberei, über die Stadt, über die man sich im besten und im schlechten Sinn wundern muss. Die 150 Seiten stehen immer für Aufklärung, für Fakten, für demokratisch-freiheitliche Werte mit AutorInnen aus dem Presse-, Literatur-, Kunst-, und Musikbereich.

  • 1979

    Dresden

  • Schwäbisch Hall

  • 2019

    Dresden

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich bin mit meinen chilenisch-deutschen Wurzeln deutsch und sage das auch immer. Ich würde nie sagen: Ich bin ein Ostdeutscher. Ich fühle mich durch meine Herkunft und mein Aufwachsen als Dresdner. Durch meine zehn Jahre andauernde DDR-Kindheit und z.B. finanzielle Unterschiede im Vergleich mit den alten Bundesländern fühle ich mich aber auch ostdeutsch.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin Wendegewinner. Ich hatte eine behütete Kindheit fernab jeglicher Politik. Ich durfte Kind sein. Naiv, frech, kreativ. Die Wende erlebte ich als etwas irgendwie Natürliches. Mein Gefühl war: „Ach, wenn man zehn ist, dann gibts also eine Wende. Super!“ Die Umbauphase, die ich vor allem in der Schule mitbekam, empfand ich als interessant und ermöglichte mir, ganz früh schon Schülerzeitung zu machen – mein Berufswunsch war bereits klar. Das wäre zu DDR-Zeiten sicher so niemals möglich gewesen. Die Wende kam zur richtigen Zeit bei mir. Durch den starken Mangel an Konsumgütern weiß ich heute noch sehr zu schätzen, welches Glück ich in diesen Zeiten habe mit der allgemeinen Vielfalt.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir generell mehr Freude und Empathie über das historische Glück, in einem friedlichen Land leben zu dürfen. Auch wenn es viele gab, die kein Glück mit der Wende hatten: Jeder ist seines Glückes Schmied – das kann man nach 30 Jahren schon auch verinnerlicht haben. Natürlich sollten Ungerechtigkeiten schnellstmöglich abgeschafft werden. Sobald z.B. Löhne auf normalem Bundesniveau sind, wird auch die Zufriedenheit und das Einheitsgefühl stärker werden – denn das, was die meisten Menschen im Alltag am meisten beschäftigt, sind beispielsweise gleiche Gehälter. Und das ist nach drei Jahrzehnten leider immer noch nicht umgesetzt.