Amrita Torosa
Amrita Torosa ist 1965 in Freiburg im Breisgau geboren, in Leutersberg aufgewachsen und später nach Ostdeutschland gezogen.
Rübergemacht: Amrita wohnt aktuell in Berlin, wo sie als Glücks-Künstlerin arbeitet.
Foto: Dan Safier
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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?
Der erste ostdeutsche Wohnort war Lutherstadt Wittenberg. Dorthin zog ich mit meinem damaligen Ehemann aus beruflichen Gründen. Ich erlebte die Menschen dort als freundlich, wurde freundlich aufgenommen, konnte beruflich und privat gedeihliche Kontakte knüpfen und pflegen. Als es mich dann wieder zu den erweiterten Möglichkeiten der Großstadt Berlin zog, suchte ich bei der Wohnungssuche bevorzugt in den ehemaligen DDR-Stadtteilen. Erfolgreich war ich damit im Baumschulenweg. Die gleiche freundliche Mentalität der Menschen dort gibt mir eine konstruktive Basis für meine künstlerische Arbeit. Die zweite Basis sind der Plänterwald und das viele Grün im Kiez.
Wie gestaltest du die Zukunft?
Die Zukunft gestalte ich, indem ich Glücksmomente in die Gegenwart einbringe. Glück ist eine Kraft, die uns unterstützt. Durch die tägliche Portion Glück im Heute denken wir konstruktiv in die Zukunft. Wie eine Pflanze, die durch Beton wächst. Deshalb ist auch Selbstliebe als Basis für Beziehungen bedeutend in meiner Glückskunst. Als konkrete Werkzeuge dafür nutze ich Bewusstes Atmen (Glücksatem, Buddy Breath) und Nährende Berührung (Hautmahlzeit, Buddy Touch). Glücksimpulse vermittle ich durch Einzelsessions, Glücksbriefe, Lesungen, interaktive Vorträge und Aktionen.
Außerdem setze ich mich für das Grundeinkommen ein, für die bundesweite Volksabstimmung und ein freundliches Miteinander.
Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?
Fühlst du dich ostdeutsch?
Ja. Ich verbinde „ostdeutsch sein“ damit, andere nach ihrem Verhalten einzuschätzen, nicht nach ihrem gesellschaftlichen Status. Damit, sich gegenseitig zu unterstützen; auf einen Austausch zu schauen, von dem beide Parteien etwas haben. Natürlich gibt es sowohl in Ost als auch in West solche und solche Menschen. Dennoch habe ich persönlich die meiste Ablehnung meiner Person im Westen erlebt und die meiste Akzeptanz im Osten. Es muss allerdings auch irgendetwas in mir geben, was mich ostdeutsch wirken lässt. Vielleicht liegt es an der Hälfte meiner Gene. Mein Vater ist in Anhalt geboren. Ich wurde schon so oft für eine Ossi gehalten, so dass ich mich hin und wieder als Ehren-Ossi bezeichne.
Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?
Bei den Reaktionen meiner Freunde und Familie spielte das Thema Ost oder West eigentlich keine Rolle. Es lag nahe, in der Nähe von Berlin zu bleiben, und das war eben in der ehemaligen DDR.
Meine Erfahrungen vor Ort waren heimatlich. Ich fühlte mich viel mehr akzeptiert als in Süddeutschland. Mit der Mentalität, mit den Verhaltensweisen sowohl der WittenbergerInnen als auch später der BaumschulenwegerInnen kam und komme ich viel leichter zurecht. Es geht viel weniger um Status und Anpassung als dort, wo ich aufwuchs. Dafür mehr um Gestaltungsfreude und Gemeinschaftlichkeit. Auch in Liebesbeziehungen habe ich sehr glückliche Erfahrungen mit „Ostmännern“ gemacht.
Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?
Westdeutsche kannten die Gepflogenheiten der BRD. Für Ostdeutsche war alles neu – egal ob Supermärkte, Gesetze oder der finanzielle Wert der Dinge. Ich habe viele Geschichten gehört von Westlern, die das ausnutzten und den Menschen im Osten Dinge verkauften, die sie im Westen nicht mehr losgeworden sind, oder ihnen Dinge für zu niedrige Preise abkauften. Außerdem habe ich den Eindruck, dass nicht darauf geachtet wurde, was die alten Bundesländer von den neuen lernen könnten. Das glich mehr einer Übernahme als einer Vereinigung. Inzwischen glaube ich, dass die Menschen in Ostdeutschland selbstbewusster geworden sind. Dass sie deutlicher darstellen, was sie beitragen, und Anerkennung dafür einfordern.
Was hast du in Ostdeutschland gelernt?
Die Menschen erlebe ich als freundlich und akzeptierend. Ich lernte viele kennen, die ein kreatives Improvisationstalent haben. „Aus Scheiße Bonbons machen“ nennt das ein Freund von mir. Erwähnenswert ist auch die wunderschöne Landschaft um Berlin und um Wittenberg. Und die Alleen, von denen noch mehr erhalten sind als im Westen. Beeindruckt hat mich, wie die Ostdeutschen ihren Weg gehen – trotz der vielen Vorbehalte, die ihnen immer wieder entgegenschlagen aus den Reihen der Altbundesbürger. Gelernt habe ich auch, dass die Teilung sehr tief ging. Nach 30 Jahren wird immer noch diese Ost-und-West-Debatte geführt. Wer hätte das vermutet?
Was wünschst du dir für Ostdeutschland?
Dass die Menschen stolz sind auf sich. Dass sie sich nicht abwerten lassen, sondern ihren Beitrag zum Gesamtwesen wertschätzen. Und dass dieser Beitrag auch im Westen noch mehr anerkannt wird.