Wir sind der

Osten

Andreas Batke

Andreas Batke ist Krankenpfleger und 1975 in Storkow (Brandenburg) geboren und aufgewachsen.

Geblieben: Andreas wohnt heute in Storkow.

Foto: Thomas Fege

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Weshalb bist du geblieben?

Ich habe einfach nie daran gedacht zu gehen, war aber auch wirtschaftlich nie gezwungen. Ich bin zufällig hier geblieben.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich lebe gern im heute und fotografiere seit circa 10 Jahren in Südostbrandenburg Menschen. Einen Schwerpunkt bildet das Leben der Wenden in der Lausitz. Das hat mit meinen familiären Wurzeln zu tun. Ich versuche mich an einem positiven Blick auf mein Umfeld, trotzdem echt, ohne zu beschönigen. Mir fällt es als Linker dabei aber auch nicht schwer, mit Rechten umzugehen. Nur in der eigenen politischen Blase zu schwimmen langweilt mich.

  • 1975

    Storkow

  • 2019

    Storkow

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich bin Brandenburger. Das ist was anderes als Sachse sein. Rauhschaliger vielleicht, wie Kiefernrinde ein bisschen rot. Die initialen 14 Jahre DDR Systemprägung, mit der ideologischen Überhöhung der Arbeiterklasse, des Klassenkampfes und seinen Umsetzungsversuchen in Kunst und Gesellschaft haben Spuren hinterlassen. Bilder von Walter Womacka machen mir ein Heimatgefühl, aber auch wenn ich S51 fahre, Leinöl mit Zucker auf Brot esse. Alles mit einer Prise Piefigkeit der Fünfziger. Das sind wohl auch warme Kindheitserinnerungen. Eine Kapitalismuskritik ist mir auf jeden Fall näher als ich es von „Westlern“ kenne.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Von den Schülern meiner Klasse hat die Mehrheit keine Kinder. Das finde ich erstaunlich und ist bestimmt Auswirkung des Unsicherheitsgefühls der Neunziger. Ich bin schwul. Mit meinem Engagement in der Lokalpolitik folge ich dem DDR Ideal, selbstverständlich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Bei der Organisation von Veranstaltungen versuche ich, Geld keine Rolle spielen zu lassen. Dass ich heute soziale Fotografie betreibe und mich daneben kaum eine andere interessiert, spiegelt die Ikonographie, die mir in der DDR und Wendezeit vermittelt wurde. Ich denke tatsächlich noch oft an „Die Wolgatreidler“ von Ilja Repin, Unterrichtsstoff in Kunst der 8.Klasse.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Zeit füreinander und viel mehr Umweltbewusstsein. Ich denke, unser Wirtschaftssystem verträgt sich nicht mit demokratischen Prozessen. Der Staat sollte der Wirtschaft viel mehr Grenzen setzen, den Markt viel rigoroser beschränken. Von solchen Impulsen weiss ich aktuell nur aus der EU-Politik. Die tatsächlichen individuellen Grundbedürfnisse sehe ich nicht im Fokus deutscher Politik. Für eine speziell ostdeutsche Politik sehe ich keine Notwendigkeit.