Wir sind der

Osten

Andreas Postel

Andreas Postel ist Journalist, Korrespondent in Rom und 1972 in Crivitz geboren und in Warnemünde an der Ostsee aufgewachsen.

Gegangen: Andreas wohnt aktuell in Rom.

Foto: Matteo Lucce

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Weshalb bist du gegangen?

Auf der Mole in Warnemünde wuchs mit jedem auslaufenden Fährschiff das Fernweh, denn hinterm Horizont ging es nicht weiter, es war schon vor dem Horizont Schluß, wegen der streng bewachten DDR-Grenze. Nach dem Mauerfall musste ich weggehen, um wieder nah zu sein, denn in der Ferne wächst das Heimweh und so bin ich mit dem Herzen heute eng mit meiner nordostdeutschen Heimat verbunden.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Die Pressefreiheit ist da besonders wertgeschätzt, wo sie fehlt, so wie damals bei uns in der DDR. Während in den Nachrichten der “Aktuellen Kamera” nur die einseitige SED-Parteilinie vertreten wurde, berichtete das Westfernsehen von ARD und ZDF, das wir illegal an der Ostsee empfangen konnten, kritisch über Missstände. Das hat mich besonders während der Friedlichen Revolution im Herbst ’89 beeindruckt und meine Berufswahl beeinflusst. Weil unabhängiger Journalismus Voraussetzung für Demokratie ist, unterstütze ich als Mitglied außerdem Reporter ohne Grenzen.

  • 1972

    Crivitz

  • Warnemünde

  • Mainz

  • 2020

    Rom

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Die Frage, ob ich mich ostdeutsch fühle, ist für mich nicht leicht zu beantworten. “Nein” würde ich sagen, weil ich mich sprachlich und kulturell gesamtdeutsch fühle. Ich sehe mehr Gemeinsames statt Trennendes. “Ja” antworte ich, weil ich in der DDR aufgewachsen und durch meine Erfahrungen im Osten geprägt bin.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Durch die Diktaturerfahrung ist mir der Wert der Freiheit besonders wichtig. Für mich ist klar, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeit sind. Dieses Geschenk muss immer wieder neu verteidigt werden. Dass über Nacht ein ganzes System zusammenbrechen kann, aber das Leben weitergeht, ist eine wertvolle Erfahrung für die Zukunft.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir mehr Verständnis zwischen Ost und West. Niemand sollte sich als Bürger zweiter Klasse fühlen. Die Erinnerung an die deutsche Teilung muss wachgehalten und Opfer dürfen nicht vergessen werden.