Annalena Charlotte Alma Baerbock

Annalena Charlotte Alma Baerbock ist Völkerrechtlerin, Mitglied des Bundestages, Bundesvorsitzende (Bündnis 90/Die Grünen) und Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021. Sie ist 1980 in Hannover geboren und aufgewachsen.

Rübergemacht: Annalena wohnt aktuell in Potsdam.

Das Profil teilen:

Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Mein politisches Engagement hat mich nach Brandenburg geführt. Und Potsdam mit seinem vielen Wasser und Grün hat mir schon immer gut gefallen, so dass es gut gepasst hat, von Berlin dorthin zu ziehen.

Was hat dich motiviert, politisch aktiv zu werden?

Meine Oma mütterlicherseits – eine trotz unglaublicher Schicksalsschläge wahnsinnig stolze, selbstbewusste und vor allem lebensbejahende Frau, die 1958 als Aussiedlerin nach Deutschland kam – war rückblickend ein Hauptantrieb dafür, dass ich eine Leidenschaft für Europa- und Völkerrecht entwickelte. Und damit auch der Grund, weswegen ich 2004 ein Praktikum im Europäischen Parlament bei der Brandenburger Abgeordneten Elisabeth Schroedter machte, was mich wiederum zu meinem Engagement bei Bündnis 90/Die Grünen führte.

Wie überzeugst du junge Menschen, in Ostdeutschland zu bleiben und vor Ort die Zukunft zu gestalten?

Vielleicht ist da gar nicht so viel Überzeugungskraft nötig. Vor der Corona-Pandemie war die wirtschaftliche Entwicklung im Osten sogar besser als im Westen, und es sind mehr Menschen vom Westen in den Osten gezogen als umgekehrt. Jede*r ist frei, dort zu leben, wo er oder sie möchte. Aber mancherorts gibt es in Ostdeutschland aufgrund der vielen Umbrüche und des Strukturwandels mehr Freiräume bzw. Gestaltungsmöglichkeiten als im Westen.

  • 1980

    Hannover

  • Berlin

  • 2021

    Potsdam

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich hätte gerne „teils-teils“ geantwortet. Ich fühle mich mehr als Teil einer gesamtdeutschen Generation. Ich bin geboren und aufgewachsen bei Hannover, habe mehrere Jahre in der Mitte Berlins gelebt, bevor ich mit meiner Familie nach Potsdam gezogen bin, wo seit mehreren Jahren meine Heimat ist.

Weshalb gibt es noch immer weniger parteipolitisches Engagement in Ostdeutschland und wie möchtest du das ändern?

Es gibt im Osten nicht weniger Interesse an Politik, sondern Unterschiede in den Wegen des Engagements. Organisationen wie Gewerkschaften, Kirche oder Parteien sind strukturell nicht so stark. Und es mag sein, dass im Osten das Gefühl ausgeprägter ist, schon genug Veränderungen im Leben gehabt zu haben und politischen Ankündigungen erst einmal zu misstrauen. Daher haben wir als Politiker*innen eine besondere Begründungspflicht, wenn wir große Veränderungen anstreben – wie z.B. den Umbau hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft . Es ist an uns, deutlich zu machen: Wer Halt geben will, muss vorsorgen, wer Stabilität will, muss den Wandel gestalten.

Was machst du, damit Ostdeutsche bessere Chancen haben?

In Gesprächen, die ich im Osten geführt habe, geht es oft um das Gefühl, abgehängt zu sein. Für mich ist entscheidend, dass wir den Auftrag aus der Verfassung ernst nehmen, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Ärztliche Versorgung, Schwimmbäder, gute Kitas und Schulen, Bus und Bahn, Glasfasernetze – wenn wir hier nicht mehr investieren, droht die nächste Spaltung. Das gilt für Stadt und ländliche Räume gleichermaßen. Aber auch ein Mindestlohn von 12 Euro und eine Grundsicherung, die diesen Namen verdient, gehören dazu. Und über Regelungen, wie z.B. die Beteiligung von Gemeinden an Gewinnen aus Erneuerbaren Energien, können wir die Finanzkraft ostdeutscher Kommunen stärken.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Zuversicht. Und offene Ohren von jenen, die die krassen Umbrüche so nicht erlebt haben. Die Erfahrung mit Veränderung und die Stärke, die daraus vielerorts erwachsen ist, kann uns allen als Gesellschaft weiterhelfen, um die Veränderungen, vor denen wir stehen, gemeinsam positiv zu gestalten. Da würde ich mir manchmal wünschen, dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen noch viel selbstbewusster damit umgehen, was sie in den letzten 30 Jahren geschafft haben.