Wir sind der

Osten

Annekathrin Otto

Annekathrin Otto ist PR Beraterin, Eventmanagerin und Coachin und 1978 in Berlin geboren, hat später in Stuttgart gelebt.

Zurückgekehrt: Annnekathrin wohnt Berlin.

Foto: Nora Tabel

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich bin 2002 nach Stuttgart gegangen, weil in meinem damaligen Umfeld sehr viele westdeutsche zugezogene Menschen waren, die Berlin wahnsinnig abgefeiert haben. Mir wurde in dieser Zeit allerdings immer langweiliger in meiner ehemals so geliebten Heimatstadt. Ich hatte richtigen Liebeskummer. Häuser wurden saniert, Clubs schlossen oder die Leute im Club waren nicht mehr so easy, cool und frei. Alles wurde clean und teuer = unsexy. Ich wollte verstehen, was an Berlin so toll ist und wusste, dass ich dafür eine Zeit lang woanders leben muss. Aus einem geplanten „Auslandssemester“ wurden dann fünf Jahre.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich bin unterstütze als PR-Beraterin und Eventmanagerin ausschließlich Unternehmungen im Bereich Umweltschutz, Soziales und Kunst. Das ist mein Beitrag für eine zukunftsfähige, friedliche Gesellschaft.

  • 1978

    Berlin

  • Stuttgart

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

1 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Meine soft skills, die ich meiner Sozialisation in der DDR zuschreibe: Empathiefähigkeit, Teilen macht Spaß, ehrliches Interesse an anderen Menschen, easy im Umgang, geradeaus, ehrlich, manchmal frech und vorlaut, was ich total gerne mag und mir ganz bewusst erlaube (I am from Friedrichshain, baby!), kein Interesse an Statussymbolen und Konsumgütern, Bücherwurm, wissbegierig, freigeistig. Ich empfinde mich als Person mit Migrationshintergrund. Ich bin bis zu meinem elften Lebensjahr in einer anderen Kultur sozialisiert worden, als in der ich jetzt lebe. Das finde ich schön, bereichernd und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

1989 war ich elf Jahre alt. Die Wendezeit habe ich als unglaublich aufregend empfunden. Vor allem, weil ich die Aufregung der Erwachsenen, meiner Familie, Freund*innen meiner Eltern, meiner Lehrer*innen gespürt habe. Es wurde viel diskutiert. Die Umstellung auf den Kapitalismus mit allem was dazugehört war okay für mich. Meine Eltern, meine Mutter ist Architektin, mein Vater Ingenieur, hatten beruflich keine großen Probleme. In meinem jetzigen Universum von Umweltschützern und Social Entrepreneurs werden sozialistische Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität gelebt. In solch einer Gesellschaft möchte ich leben. Ich freue mich sie mitgestalten zu dürfen.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Die gesellschaftliche Verarbeitung des Traumas der Wende. Und mit Gesellschaft meine ich „Osten“ und „Westen“. Anerkennung. Respekt. Heilung. Selbstliebe.