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Osten

Benedict Rehbein

Benedict Rehbein

Benedict Rehbein ist 1981 in Filderstadt geboren, in Steinenbronn aufgewachsen und später nach Ostdeutschland gezogen.

Rübergemacht: Benedict wohnt aktuell in Leipzig, wo er als Geschäftsführer im Bereich PR, Marketing und Kommunikation arbeitet.

Foto: Florian Pappert/pioneer communications

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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Der Sport (Ringkampf) und das Studienangebot (Kommunikationswissenschaften) haben mich nach Leipzig gezogen. Der Rest war Zufall: Ich konnte einen Nachrückplatz am begehrten Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig ergattern und wollte das einfach ausprobieren. Schnell wurde mir klar, dass ich nicht mehr wirklich von hier weg möchte: Leipzig war damals schon ein sehr cooler, roher, aber energiegeladener Ort, diese Freiheiten und diese Offenheit kannte ich aus meinem Heimatort nicht. Nicht viel später kamen dann die große Liebe (meine heutige Ehefrau Maria) und berufliche Perspektiven (pioneer communications) hinzu. Ich könnte mir deshalb kaum einen besseren Ort vorstellen, um die Kinder aufwachsen zu sehen.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Nach mittlerweile 13 Jahren ist meine Agentur zur größten inhabergeführten Kommunikationsagentur in den neuen Bundesländern geworden. Wir sind aus Leipzig heraus gewachsen und stolz auf unsere Wurzeln. Mit diesem Bewusstsein möchte ich alle unsere Mitarbeiter ausstatten und jeden Tag wieder den Beweis antreten, dass wir auch hier und auch heute noch etwas aufbauen können. Ich persönlich möchte gerne immer wieder neue Wege gehen und in Leipzig gibt es die Freiräume, um das zu verwirklichen. Deshalb bin ich immer wieder froh, 2001 hier angekommen zu sein.

  • 1981

    Filderstadt

  • Steinenbronn

  • 2020

    Leipzig

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Ich unterscheide da nicht, habe mich vorher auch nicht „westdeutsch“ gefühlt und würde diese Trennung im Kopf nicht aufmachen. Deutsch vielleicht schon, alles andere ist eher eine Frage des Lebensgefühls. Das könnte damit zusammenhängen dass ich die Wende kaum bewusst miterlebt habe und damit auch die vorangegangene Trennung Deutschlands nicht. Das spielte für mich einfach nie eine Rolle, daher ist es auch jetzt nicht so. Wie beschreibt man Identität? Ich fühle mich dem Land und der Demokratie verbunden und teile die Werte dieser Nation, das kann man sicher so sagen. Aber ich will sie auch verändern, ökologischer gestalten, Nachhaltigkeit etablieren – und einfach einer von den Guten sein.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Zunächst konnten viele meiner Bekannten Leipzig und Dresden nicht unterscheiden. Danach spalteten sich die Reaktionen grob gesagt in zwei Lager: Die einen fanden es exotisch und spannend und hatten so gar keine Vorstellung von Leipzig – und wenn, dann eher eine von baufälligen Häusern und schlechter Versorgung. Dieser Teil meiner Freunde fand es toll.

Die anderen konnten vor allem nicht nachvollziehen, wieso ich in so einen Entwicklungsbereich Deutschlands ziehen konnte, wo doch vor Ort in Schwaben alles vorhanden war. Das waren auch die, die beim ersten Besuch in Leipzig über die Infrastruktur gestaunt haben und meinten: „Und das alles von unserem Soli …“ Mittlerweile bin ich hip.

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Erstmal: Anders herum sicherlich genauso! Ein Bild wird geprägt von Medien, Berichterstattung, Mund-zu-Mund-Gesprächen usw.. Da es weit mehr Berichte als eigene Erfahrungen gab (in beide Richtungen) mussten ja zwangsläufig Vorurteile entstehen. Filme wie z.B. „Go Trabi Go“ haben das in der Folge nicht unbedingt verbessert … Aktuell sehe ich in meinem Bekanntenkreis keine nennenswerten Vorurteile mehr gegenüber „den Ossis“, der Begriff kommt auch nicht mehr vor. Da hat unter anderem Leipzig (inklusive Fußball) sicherlich positiv dazu beigetragen. Wirtschaftlich betrachtet nehme ich das eher wie Nord- und Süditalien wahr: Da gibt es halt weiterhin große Unterschiede, gerade im Mittelstand.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Ich habe sehr viele sehr ehrgeizige Leute kennengelernt. Der Sport hat mir viel gegeben, hier habe ich deutliche Unterschiede zwischen der Art des Trainings gesehen: Mit dem Wechsel nach Leipzig habe ich meine Trainingshäufigkeit und -intensität sicher verfünffacht („Von nix kommt nix“). Ich habe auch Menschen getroffen, die vom System enttäuscht wurden, viele davon haben sich auf dieses verlassen und wurden fallen gelassen. Den Frust kann ich schon nachvollziehen, da ist es von außen schwer, nicht überheblich zu wirken. All denen würde ich aber wünschen, dass sie ihr Leben (wieder?) selbst in die Hand nehmen. Was habe ich noch gelernt? Dass nichts selbstverständlich sein sollte.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Ich würde mich freuen, wenn ein paar mehr Konzernzentralen und DAX-Player hier ihren Stammsitz finden. Wenn sich die durchaus aktive Start-up-Szene nicht nur für die Gründung, sondern auch fürs Wachstum die passenden Orte in Ostdeutschland aussuchen würde. Und wenn wir mehr Leute auch von hier finden könnten, die das Heft in die Hand nehmen und loslegen. Wir sollten diesen Mut machen, diese Initiativen unterstützen. Coole Dinge tun, Dinge, die unser Land positiv verändern. Davon würde ich mir noch viel mehr gute Beispiele wünschen.