Wir sind der

Osten

Benjamim Gruner

Benjamin Gruner ist Geschäftsführer und Kulturmanager und 1989 in Meerane geboren .

Geblieben: Benjamin lebt heute in Chemnitz.

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Weshalb bist du geblieben?

Ich bin über verschiedene Schritte von einem kleinen Dorf (Niederlungwitz) in eine größere Kreisstadt (Glauchau) gezogen und habe da angefangen, mit engagierten Menschen verschieden (kulturelle) Projekte zu starten. Die Möglichkeiten hatten sich nach Jahren erschöpft und ich bin in die Großstadt Chemnitz gezogen, um „meine“ Projekte zu professionalisieren und erweitern.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich habe in Chemnitz sehr viele Möglichkeiten, neue Projekte zu entwickeln, da die Vernetzungsmöglichkeiten groß sind, eine gute Infrastruktur vorhanden ist und zahlreiche Entwicklungspotentiale in der Stadt stecken.

  • 1989

    Meerane

  • 2019

    Chemnitz

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich habe mich lange Zeit nicht als ostdeutsch gefühlt. Erst mit einem gewissen Reifeprozess im Alter und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Herkunft hat sich ein Gefühl eingestellt. Daher empfinde ich gewisse kulturellen Prägungen, die im Verständnis, in der Sprache und in der Reflektion meines Lebensraums mich von „Westdeutschland“ unterscheiden.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich empfinde gewisse Praktiken und Herangehensweisen in Ostdeutschland pragmatischer und lösungsorientierter, da in den Projekten aus meinem näheren Umfeld ein finanzieller Mangel gegeben war. Das ist u.a. auch ein Grund, warum aktuell aus Ostdeutschland sehr spannende kulturelle Projekte kommen und sich entwickeln, aus der Auseinandersetzung mit den vorliegenden Problemlagen.
Ich glaube auch, dass Ostdeutschland durch die Wendeerfahrungen und die damit verbundenen Krisenerscheinungen besser für den aktuellen und zukünftigen digitalen Wandel gerüstet ist. Die Menschen mussten bereits mit massiven Veränderungsprozessen umgehen und haben dadurch einen größeren Erfahrungsschatz im Umgang damit.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass sich die Spaltung in der ostdeutschen Gesellschaft zukünftig lindert. Sehr viele Probleme, die in den Umbruchsprozessen der 90er Jahre entstanden sind, wurden nicht öffentlich thematisiert und bearbeitet. Dieser Auseinandersetzungsprozess muss weiter gefördert werden. Sehr viele Menschen vor allem in der älteren Generation leiden unter einer (medialen) Stigmatisierung, die durch eine differenzierte öffentliche und mediale Debatte überwunden werden muss. Zudem braucht es zukünftig mehr Menschen mit ostdeutschem Hintergrund in Führungspositionen großer, bundesweiter Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Parteien, um die „ostdeutsche Perspektive“ abzubilden.