Wir sind der

Osten

Bianca Ely

Bianca Ely ist Projektmanagerin und 1979 in Rüdersdorf bei Berlin geboren und zwischen Erkner und Köpenick aufgewachsen.

Zurückgekehrt: Bianca lebt heute in Berlin.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich habe eine Zeitlang im Ausland gelebt, aber am Ende hat es mich immer wieder zurück nach Berlin gezogen.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Beruflich unterstütze ich Schulleitungen und ihre Kollegien darin, den Schritt ins digitale Zeitalter zu gehen. Das sind keine technische Fragen, sondern Fragen der Bildungsgerechtigkeit und einer der Schülerschaft zugewandten Lernumgebung. Zuvor habe ich im Anne Frank Zentrum Berlin den Bereich “Entwicklung – Neue Lernformate” aufgebaut. Toll daran war, Menschen unterstützen, die sich gegen Antisemitismus und Rassismus engagieren. Transformation und Kulturwandel ziehen sich durch meine berufliche Laufbahn. Um den Osten und die Schichten der Erinnerung zu verstehen habe ich 2017 das Buch “Wie war das für Euch? Die Dritte Generation Ost im Gespräch mit ihren Eltern” herausgegeben.

  • 1979

    Rüdersdorf

  • Ausland

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Als Kind brachte mir meine Oma Geschenke von Besuchen in West-Berlin mit. Die Mauer war immer schon spürbar vorhanden. Nach dem Fall der Mauer empfand ich “ostdeutsch” als Makel. Erst später habe ich verstanden, dass es Erfahrungen gibt, die viele Ostdeutsche teilen und dass “ostdeutsch” eine Perspektive ist, die zählt und gesellschaftspolitisch relevant ist. Zugleich stecken auch innerhalb dieses Ostdeutsch-Seins viele Perspektiven. Ich mache andere Erfahrungen als Ostdeutsche, die z.B. von Rassismus oder Antisemitismus betroffen sind. Erst in dieser Komplexität können wir uns den ostdeutschen Erfahrungswelten annähern. Dass mich diese Fragen bewegen, das finde ich an mir “ostdeutsch”.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Als die Mauer fiel, war ich 10 Jahre und ich habe erlebt, dass sich ein politisches System mitsamt dem gesellschaftlichen Gefüge rasant verändern kann. Das prägt mein Bild von gesellschaftlichem Wandel bis heute und weitet meinen Blick für Gestaltungsspielräume. “Einfach mal machen und gucken, was passiert” ist ein Motto, mit dem ich groß geworden bin. Im Privaten habe ich gelernt, dass es viel Kraft kostet, die “heißen Kartoffeln” in den Familiengeschichten zu thematisieren und ins Gespräch zu bringen. Dass das aber auch befreiend und stärkend sein kann.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass Ostdeutschland als geografischer, erinnerungskultureller und politischer Raum besprechbarer wird. Dass Verletzungen thematisiert und dass die Energie, die dabei entsteht, ins Konstruktive gewendet werden. Dass wir die Schichten der Erinnerungen behutsam betrachten und verstehen, dass wir unsere demokratische Kultur in Gefahr gerät, wenn wir da den Deckel drauf legen. Dass “Osten” nicht mehr das Gegenstück zu “westdeutsch” ist, sondern einfach nur eine Himmelsrichtung. Dafür braucht es einen gemeinsamen ost- und westdeutschen Lernprozess mit aller Offenheit und Neugier, die Lernen auszeichnet.