Wir sind der

Osten

Gabriela Jonas

Gabriela Jonas

Gabriela Jonas ist 1987 in Würzburg geboren und später nach Ostdeutschland gezogen.

Rübergemacht: Gabriela wohnt aktuell in Leipzig, wo sie ein alternatives Hostel betreibt.

Das Profil teilen:

Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Ich bin für mein Bachelorstudium nach Leipzig gezogen. Damals wollte ich raus aus Bayern. Die Uni Leipzig und die Stadt haben sich spannend angehört. Mir hat es dann so gut gefallen, dass ich nach meinem Masterstudium in Hamburg unbedingt zurück wollte.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich habe mit drei Freundinnen ein Hostel eröffnet. Die drei selbst sind alle in Ostdeutschland aufgewachsen. Für die Zimmergestaltung haben wir lokale Künstler*innen engagiert, so dass jedes Zimmer nun ein eigenes Kunstwerk ist. Gleichzeitig haben wir einen großen Garten, den wir mit verschiedenen Veranstaltungen bespielen. Wir wollen so einen Ort schaffen, der kreativ ist und an dem sich sowohl Leipziger als auch Touristen wohlfühlen.

  • 1987

    Würzburg

  • Bologna

  • Hamburg

  • Brescia

  • 2020

    Leipzig

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Ich glaube, dass unsere Herkunft unser Sein beeinflusst, fühle mich aber weder ost- noch westdeutsch.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Meine Familie fand meine Wahl gut und hat sich bei ihren Besuchen auch immer wohlgefühlt. Freunde und Bekannte aus meinem Dorf hingegen waren eher skeptisch, warum man von Bayern in den Osten ziehen sollte.

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Warum gehören so viele Häuser in Leipzig Westdeutschen? In Westdeutschland konnte man Kapital seit 1945 anhäufen und dann ab 1990 hier investieren. Hier im Kleinen sehen wir deutlich die globale Ungerechtigkeit von altem Geld.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Ich empfinde, dass die Gleichberechtigung hier viel weiter vorangeschritten ist als in meiner Heimat. Meine ostdeutschen Freundinnen sind alle damit aufgewachsen, dass beide Elternteile arbeiten, dass auch die Frau eine höhere Position haben kann, dass Kinderkriegen und berufliche Verwirklichung Normalität ist.

Ich bin mit einer sehr einseitigen Geschichte groß geworden, in der die DDR als eine unterdrückende Staatsmacht dargestellt wird. Mittlerweile sehe ich das differenzierter. Es gab damals auch vieles, was besser lief, als bei uns im Kapitalismus und wovon das vereinigte Deutschland hätte lernen können.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Eine Neuaufarbeitung der Geschichte ab 1945, ohne dabei in eine Nostalgie zu verfallen. Aus dem Guten wie dem Schlechten zu lernen und eine menschen- und gemeinschaftsfreundlichere Zunkunft für alle Menschen in Deutschland zu gestalten.