Wir sind der

Osten

Günter Horna

Günter Horna ist User Experience Architect und 1980 in Ilmenau geboren.

Gegangen: Günter wohnt heute in München.

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Weshalb bist du gegangen?

Ich bin für ein Praktikum nach Wolfsburg gegangen. Das war der Start meiner beruflichen Laufbahn als Entwickler in der deutschen Automobilbranche. Leider hat kein einziger deutscher Autobauer seine Entwicklungsabteilung in Ostdeutschland.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als User Experience Architect bei einem Motorradhersteller gestalte ich das Motorradcockpit von morgen. Das vielgelobte User Interface unserer aktuellen Maschinen habe maßgeblich ich entworfen. Darauf bin ich stolz. Es ist erstmals in der Unternehmensgeschichte voll digital und vernetzt. Mittlerweile arbeite ich gemeinsam mit einem tollen Team junger Kollegen. Dadurch kann ich Menschen fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Es macht mir Freude, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen und ich trage gerne dazu bei, dass jemand heute etwas vollbringt, das gestern noch unmöglich schien. Auch das ist für mich eine Form, die Zukunft zu gestalten.

  • 1900

    Ort

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  • 2019

    Ort

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ostdeutsch sein, damit verbinde ich vor allem: nahbar sein. Unter Ossis ist der Takt der ersten Begegnung ein anderer: eine herzliche Geste, manchmal ein derber Spruch, sich selbst treu sein, eine klare Haltung haben. Natürlich ist nichts davon für sich genommen ostdeutsch. Aber ich spüre diesen Groove, wenn ich anderen Ostdeutschen begegne. Von Ossi zu Ossi lässt es sich vom ersten Augenblick an irgendwie anders kommunizieren, selbstverständlicher miteinander umgehen, auch ohne, dass vorher klar ist, wer woher kommt. Jedes Mal, wenn es bei einer Begegnungen dieses Klick macht, ist das für mich die Rückversicherung: Du bist ostdeutsch.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Früher habe ich mich als Ossi defizitär gefühlt. Später dachte ich, ich müsse im Westen unbedingt beweisen, dass auch coole Leute aus dem Osten kommen. Ich habe lange gebraucht, um mich von diesen Zwängen freizumachen. Viele Bücher waren dafür nötig und und lange Gespräche mit Freunden und der Familie. Heute kann ich sagen, dass mich meine ostdeutsche Herkunft gefestigt hat. Ich weiß wer ich bin und wer ich nicht bin. Und mehr noch: Auf dem Weg dahin sind die Familienbande enger und meine Freundschaften intensiver geworden.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Am meisten wünsche ich mir das Umdeuten des Begriffs „Ostdeutschland“ in den Köpfen. Ein Überwinden der alten Stigmata. Ich wünsche mir, dass Unterschiede in Deutschland nicht länger entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verlaufen, weder in der Realität noch in der Berichterstattung. Das ist keine Gleichmacherei, aber hat Bremen nicht einfach mehr mit Rostock gemein als mit Stuttgart? Ich wünsche mir endlich nachhaltiges politisches und gesellschaftliches Handeln, dass wirklich versöhnt, anstatt Unterschiede zu zementieren.