Hans Christian Asemissen
Hans Christian Asemissen ist 1981 in Bielefeld geboren und später nach Ostdeutschland gezogen.
Rübergemacht: Hans Christian wohnt aktuell in Königs Wusterhausen und ist IT-Unternehmer.
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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?
Nachdem ich zwei Jahre lang nach Berlin gependelt bin, wollten wir als Familie mehr Zeit miteinander verbringen. Wo, war uns egal. Berlin als Stadt kam aber nicht in Frage. In Königs Wusterhausen fühlen wir uns wohl, haben ein wunderschönes Stück Deutschland und viele tolle Menschen kennengelernt.
Wie gestaltest du die Zukunft?
Wir unterstützen als Team und als IT-Dienstleister unsere Partner dabei, die Möglichkeiten der Digitalisierung im Alltag selbstverständlich nutzbar zu machen. Dabei begleiten wir die Auswahl der Technologie, trainieren die Nutzer und unterstützen beim Betrieb. Außerdem arbeite ich mit einem zweiten Unternehmen daran, gebrauchte IT-Geräte einem zweiten Lebenszyklus zur Verfügung zu stellen, und damit Lösungen zur Nachhaltigkeit zu liefern.
Privat ist die größte Zukunftsgestaltung mein kürzlich im Osten geborener Sohn. Hier hoffe ich, dass ich ihm die Selbstverständlichkeit eines geeinten Deutschlands ohne Unterschiede in Herkunft inner- oder außerhalb Deutschlands vermitteln kann.
Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?
Fühlst du dich ostdeutsch?
Ich fühle mich nicht ostdeutsch, weil aktuell ja nur mein Wohnort im Osten Deutschlands ist. Ansonsten fühle ich mich als Deutscher, wahrscheinlich eher als Europäer!
Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?
Erstaunt hat mich tatsächlich, mit welchen Vorbehalten und Plattitüden Teile der Freunde und Familie reagiert haben. Da war tatsächlich alles einmal dabei.
Über die letzten Jahre habe ich das Gefühl gewonnen, dass im Rahmen einer diktierten Vereinigung das Empfinden, in der Position des Schwächeren zu sein, bei einigen Ostdeutschen zu einem geringeren Selbstbewusstsein geführt hat. Das kann dann falsch als Engstirnigkeit und Bockigkeit empfunden werden.
Am Ende ist es bei Ostdeutschen genauso wie bei mir als Ostwestfalen: stur, hartnäckig und kämpferisch. Und mit dabei meistens doch ein weicher Kern und ein offenes Herz.
Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?
Die Westdeutschen hatten natürlich Vorteile, mussten sie sich doch nicht erst an ein neues System mit neuen Anforderungen gewöhnen. Dass dieser Systemwechsel von einigen ausgenutzt wurde, ist dann der traurige Teil der Wiedervereinigungsgeschichte.
Ich glaube nicht, dass diese Unterschiede heute noch bestehen. Aber natürlich gibt es Einzelne, die sich immer noch in dieser Rolle gefallen – auf beiden Seiten.
Was hast du in Ostdeutschland gelernt?
Die Wiedervereinigung ist offensichtlich ein Prozess, den beide Seiten noch nicht abgeschlossen haben. Anstatt das Positive und Gemeinsame zu suchen und dabei auch den anderen besser kennen zu lernen, haben wir Angst davor, dass man uns etwas wegnehmen will oder etwas besser weiß. Offensichtlich haben wir es versäumt, die Erfolgsgeschichte Wiedervereinigung auch denen zu vermitteln, für die sich zu viel zu schnell verändert hat.
Alles in allem sind wir gemeinsam auf einem guten Weg, manchmal macht er nur einige Kurven – wahrscheinlich braucht es die aber auch noch.
Was wünschst du dir für Ostdeutschland?
Ich wünsche mir für Deutschland und Europa, dass wir es schaffen gemeinsam an unseren Ideen und Idealen zu arbeiten. Wenn das jeder mit dem notwendigen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein tun, kommen wir uns unabhängig von unserer Herkunft näher.