Wir sind der

Osten

Henriette Stapf

Henriette Stapf ist Kulturarbeiterin und 1979 in Dresden geboren, hat später in den USA, Potsdam, Finnland und Berlin gelebt.

Zurückgekehrt: Henriette wohnt heute in Dresden.

Foto: Wiebke Dürholt

Das Profil teilen:

Weshalb bist du zurückgekehrt?

Meine Rückkehr hatte zum einen familiäre Gründe. Außerdem hatte ich oft das Gefühl, dass ich von außen keinen wirklich realistischen Blick auf die Umstände im Osten habe und mein Wirken begrenzt ist. Auch deshalb bin ich zurückgekehrt: um Veränderungen in Gang zu bringen, Menschen der Dritte Generation, die in Ostdeutschland leben oder zurückkehren möchten zu stärken und um meine Erfahrungen und mein Wissen vor Ort einzubringen.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Kulturarbeiterin beschäftige ich mich seit 2002 mit dem kulturellen und sozialen Wandel in Ostdeutschland, ab 2011 auch im Rahmen meines Engagements für die Initiative Dritte Generation Ost in Berlin. Als Gründungsmitglied des weltbewusst e.V., der Träger der Biografiearbeit Dritte Generation Ost ist, bringe ich heute Themen der Dritten Generation Ost in Sachsen voran und gestalte den Wandel aktiv mit. Ich entwickle dialogorientierte Veranstaltungsformate und führe diese durch, vernetze und informiere Interessierte und Aktive, bringe östliche Sichtweisen in Diskurse ein und rege innerostdeutschen Austausch in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an.

  • 1979

    Dresden

  • USA

  • Potsdam

  • Finnland

  • Berlin

  • 2019

    Dresden

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

„Ostdeutsch“ zu sein ist EINE Facette meiner Identität. Sie ist auch eine Abgrenzung zu „westdeutsch“ sein. Ich habe eine ostdeutsche Geschichte, wurde unter bestimmten Bedingungen sozialisiert, die es so nur in Ostdeutschland, bzw. in Familien mit DDR-, Umbruchs- und Transformationsgeschichte gab. Mit dem Gefühl, ostdeutsch zu sein, verbinde ich auch eine gewisse Verantwortung, die eigene Herkunftsgeschichte aufzuarbeiten und östliche Sichtweisen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in gesamtgesellschaftliche Diskurs einzubringen.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Um die Gesellschaft im Osten mit zu gestalten, kann es von Vorteil sein, deren Geschichte miterlebt zu haben. Das verleiht eine gewisse Sensibilität. Da ich in der Transformationszeit ab 89/90 eher „unberaten“ erwachsen geworden bin, habe ich eine enorme Eigenständigkeit entwickelt. Die Erfahrung aus der DDR, kreativ mit materiellem Mangel umzugehen und die kritische Hinterfragung der Konsumgesellschaft motiviert mich heute nachhaltig zu handeln.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen den Schritt wagen, zurückzukehren und die ostdeutsche Gesellschaft mit ihren Erfahrungen zu bereichern. Und dass das in Ostdeutschland wertgeschätzt wird. Es gibt zahlreiche Aktive, mit denen man sich verbünden und Zukunft gestalten kann!