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Osten

Isabel Will

Isabel Will ist 1994 in München geboren und sich später für Ostdeutschland entschieden.

Rübergemacht: Isabel wohnt aktuell in Magdeburg, wo sie als Schauspielerin arbeitet.

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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Mir wurde 2015 ein Platz für das Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock angeboten. Auch wenn das neun Stunden von München entfernt ist, war mir sofort klar, dass ich dort studieren möchte. Rostock kannte ich bis dahin nur von drei kurzen Besuchen zur Vorstellung an der Hochschule. Nach drei Jahren Studium ging ich dann für das letzte Studienjahr mit einem Stipendium ans Staatstheater in Schwerin. Ich wollte ein festes Engagement nach dem Studium und da ergaben sich zwei Möglichkeiten, die eine in Magdeburg. Aber auch die andere Stelle wäre in einer ostdeutschen Stadt gewesen.

Ich habe mich dann für das Engagement am Theater Magdeburg entschieden.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich arbeite seit der Spielzeit 2019/20 im Schauspielensemble des Theater Magdeburg. Die Auseinandersetzung mit den Menschen der Stadt und des Bundeslandes Sachsen-Anhalt fließt da bemerkt oder unbemerkt in jedes Projekt mit rein.

  • 1994

    München

  • Rostock

  • Schwerin

  • 2020

    Magdeburg

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Ich fühle mich europäisch. Ich bin in München geboren und aufgewachsen. Wenn ich eine Kultur mitbekommen habe, dann wahrscheinlich hauptsächlich die bayrische, die badische durch meine Mutter und die chilenische durch meinen Vater. Ich fühle mich aber auch nicht wie eine Bayerin, nur weil ich dort großgeworden bin, genauso wenig wie ich mich ostdeutsch fühle, weil ich hier seit fünf Jahren lebe.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Ich habe gemerkt, dass es unter meinen Bekannten und Freunden aus Süddeutschland einige Vorurteile gegenüber Ostdeutschland gab und noch immer gibt, die größtenteils aber nicht durch Erfahrungen entstanden sind, sondern fast ausschließlich durch Hörensagen und die Verbindung der ostdeutschen Städte mit der AfD und PEGIDA.

Ich selbst bin sehr unwissend über die politische Gegenwart und Vergangenheit der Oststädte nach Rostock gezogen. Vor allem der große Unterschied in der kulturellen Landschaft, das kleine Interesse an Kunst und Kultur und auch die Subventionen im Vergleich zu Süddeutschland sind mir in Rostock zu Beginn aufgefallen.

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Ich glaube, dass damals wie heute die meisten Menschen sich zu wenig mit der Wendezeit auseinandersetzen.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Meine Erfahrungen in Rostock, Schwerin und Magdeburg waren bis jetzt im Grunde positiv.

Ich habe das Gefühl, immer noch zu wenig über die DDR und die Wende zu wissen, obwohl beides noch ein großes Thema hier ist. Und das ist absolut begründet. Wenn ich etwas bisher hier gelernt habe, dann dass sich grundsätzlich zu wenig mit diesem Teil der deutschen Geschichte auseinandergesetzt wird, angefangen in der Schule. Es gibt natürlich mehr als einen Grund für aufblühende rechte Gruppierungen wie die AfD, die gerade in den neuen Bundesländern so stark sind. Aber besonders den Fehlern, die während der Wende gemacht wurden, muss unbedingt mehr Beachtung geschenkt werden.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?