Wir sind der

Osten

Julia Sachse

Julia Sachse ist stellvertretende Chefredakteurin und 1989 in Großröhrsdorf geboren.

Geblieben: Julia lebt heute in Süptitz.

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Weshalb bist du geblieben?

Ich bin nach dem Abi raus, aber nur bis in die nächstgelegene Großstadt – Leipzig – gekommen und habe da sieben Jahre lang gelebt, bis sie mir zu eng wurde. Für mich war immer klar: Wenn es eine Möglichkeit gibt, in meiner Heimatregion nützlich zu sein und etwas zu bewegen, dann komme ich zurück. Das war zunächst ein Job im Museum auf Schloss Hartenfels und nach dem Babyjahr ein Platz in der Redaktion der TZ-Mediengruppe. Auch meiner Familie geht es hier super und so lange wir dazu nicht gezwungen werden, machen wir uns hier auch nicht aus dem Staub!

Wie gestaltest du die Zukunft?

In meinem Büro laufen redaktionell alle Fäden für die Sondermagazine unseres Verlages zusammen – so lernt man unheimlich viele Menschen und ihre Geschichten kennen! Diese dann weiterzuerzählen und auch mal unpopulären Meinungen eine Öffentlichkeit zu verschaffen, gehört für mich zu gelebter Demokratie dazu. So lange es nicht um Diskriminierung geht oder die Grund- und Menschenrechte in Frage stellt, kann und möchte ich mit jedem diskutieren und aufgeschlossene Leute miteinander vernetzen!

  • 1989

    Großröhrsdorf

  • 2019

    Süptitz

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

1 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Die Zeit in Leipzig, der Wiege der Friedlichen Revolution, hat mich vor allem eines gelehrt: Es ist egal, woher du kommst – denn genau das sollte es sein. Wenn wir nicht heute leben, was wir morgen als selbstverständlich erachten wollen, dann wandelt sich gar nichts. Und die Messestadt ist ein Schmelztiegel, kein Setzkasten. So muss das sein, dachte ich schon damals und denke es noch immer.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin drei Monate vor dem Mauerfall geboren worden, da sollte man meinen, man kriegt nichts mehr von der DDR mit. Aber weil ich aus dem sogenannten „Tal der Ahnungslosen“ stamme, wo vieles etwas länger dauerte als anderswo und weil mein Vater einen Wende-Koller erlebte, der unsere Familie bis heute beeinflusst, habe ich mir schon immer viele Gedanken über die einstigen Ideale meiner Eltern gemacht. Sie glaubten an das System – wussten darüber aber auch viel zu wenig und fragten lange nicht nach. Uns Kinder erzogen sie zum Gegenteil: zu kritischen und offenen Menschen mit Hang zum Antifaschismus.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Eine bessere Diskussionskultur, weniger Ostalgie und mehr Zukunftshunger. Mehr Gelassenheit im Umgang mit Vorurteilen und öfter mal die große Schnauze, ohne dabei immer gleich jemand anderem übern Mund zu fahren. Wenn wir jedem seine Meinung lassen, dann werden wir alle weniger kämpfen müssen und einander vielleicht besser verstehen. Diskurs heißt das Zauberwort. Und – scheiß noch eins! – Respekt!