Wir sind der

Osten

Juliane Dieckmann

Juliane Dieckmann ist Kinder- und Jugendbeteiligungsmoderatorin und Verlegerin und 1983 in Rostock geboren.

Zurückgekehrt: Juliane lebt heute in Rostock.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich war ein halbes Jahr als Praktikantin in Braunschweig, also zeitlich befristet. Ich glaube, meine Geburtsstadt hat mich immer wieder zurückgeholt. Sie wollte mich nicht gehen lassen. Auch der Liebe und natürlich der Ostsee wegen bin ich zurückgekehrt.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Zunächst einmal gestalte ich aktiv (ostdeutsche) Zukunft in meiner Rolle als Mutter. Mein Mann und ich begleiten unsere zwei Kinder beim Aufwachsen. Als Kinder- und Jugendbeteiligungsmoderatorin in meiner Heimatstadt Rostock unterstütze ich Kinder und Jugendliche dabei, sich zu beteiligen. Dabei geht es mir aber nicht nur darum, die, die schon aktiv sind, zu unterstützen, noch aktiver werden; das Informieren über Beteiligungsmöglichkeiten und den Anschub zu geben, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte auf Mitgestaltung kennen und wahrnehmen ist mir sehr wichtig. Außerdem verlege ich ein Kinderbuch, in dem sich die neue vielfältige Generation positiv mit ihrer Stadt assoziieren kann.

  • 1983

    Rostock

  • Braunschweig

  • 2019

    Rostock

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich verspüre eine Loyalität gegenüber diesem Teil Deutschlands, dem die BRD einfach übergestülpt wurde, ohne zu schauen: „Mensch, was gibt es denn da eigentlich, das gut ist?“ Geografisch gesehen fühle ich mich eher norddeutsch und finde es nervig, dafür schräg angeguckt zu werden. Darüberhinaus bin ich jedoch auch stark europäisch geprägt und fühle mich als Mensch, der in einer globalen Welt lebt und regional geprägt wurde. (Länder-) Grenzen sind doch heute eigentlich nur für – ja, was eigentlich?

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine Eltern waren nicht traurig, als die Mauern fielen. Die Reiselust meiner Mutter ins „echte Ausland“ hat mich stark geprägt. Grenzen auf und los, hinaus in die Welt. Das mache ich mit meinen Kindern auch, mit ihnen die Welt entdecken. Die Unsicherheit, die dann auch eintretende Traurigkeit und die Überforderung der Angebote meiner Eltern kann ich allerdings bis heute in meinen Knochen spüren. Aber auch das Finden schneller, kreativer Lösungen in unbequemen Situationen. Meine Prägung durch die „Wende“: Egal was wird, es wird. Du musst immer das beste aus deiner Situation machen. Die Prägung durch die Kriegsgeneration der Großeltern ist da unterbewusst vielleicht sogar noch größer.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass die BRD eher in Himmelsrichtungen und Regionen gedacht wird. Weiterhin finanziellen Ausgleich. Eher sogar noch mehr. Ich wünsche mir noch mehr Austausch untereinander und zwar in alle Richtungen. Ich wünsche mir, dass Ost und West kein Thema mehr sein wird. Aber erst, wenn Ausgleich stattgefunden hat für z.B. Löhne, Besitztümer (Immobilien, Ländereien), Leitungspositionen und Anerkennung für Gutes wie Abitur mit Berufsausbildung, eine Krankenkasse für alle, staatliches Post- und Bahnwesen, weniger Konsum, mehr Achtsamkeit auf materiellen Besitz usw.