Wir sind der

Osten

Katrin Geissler

Katrin Geissler ist Verlagsleiterin/Geschäftsführerin FUMO und 1969 in Weimar geboren, in Niedergrünstedt aufgewachsen.

Gegangen: Katrin wohnt heute in München.

Foto: Jan Scheutzow

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Weshalb bist du gegangen?

Ich bin 1990 nach Köln gegangen und war aber immer im Osten tätig. Dann in Jena weiterstudiert, ins Ausland, Examen in Jena. Dann kam ein Jobangebot 1996 in München. So ganz habe ich den Osten nie verlassen, meine gesamte Familie lebt da, meine besten Freunde leben da. Ich habe mir sogar letztes Jahr ein Grundstück gekauft. Plan: Zurückkehrer! Ehrlicherweise habe ich mir nie viele Gedanken darüber gemacht, zu welcher Kategorie ich gehöre, sondern meine Möglichkeiten, die sich mir ergaben, beim „Schopfe“ gepackt.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Von 1990 an habe ich als Projektleiter die Studentenorganisation AIESEC in den neuen Ländern mit aufgebaut, Strukturen geschaffen. Ich bin seit 25 Jahren im Mediengeschäft, vor allem Fachinformation tätig. Die Geschäftsmodelle unterliegen seit 2000 einem rasanten Wandel, hier ist es immer gefordert klar und schnell zu entscheiden, Verantwortung zu übernehmen. In verschiedenen Führungspositionen habe ich diese Herausforderung angenommen und die Menschen um mich herum versucht, auf die Reise mitzunehmen.

  • 1969

    Weimar

  • Niedergrünstedt

  • Köln

  • Jena

  • 2019

    München

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

5 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Die Sozialisation kann man im Alltag nicht ablegen. Erfahrungen prägen und zeigen, nach welchem Leitbild man handelt. Zu Ostzeiten habe ich schon immer von der „großen Welt“ geträumt und viele gesteckte Grenzen überschritten – auch mit dem Wissen um die Konsequenzen, die ich auf mich zukommen. Ich glaub, dass ist eine ostdeutsche Qualität, sich den Konsequenzen seines Handelns bewusst zu werden und denen nicht aus dem Weg gehen zu können.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin mir sicher, alles ist möglich, aber es kommt nicht sofort und schon gar nicht von allein. Während des Abiturs habe ich meine Grenzen stark ausgetestet, so dass ich nicht zum Studium zugelassen wurde. Es gab unschöne Erfahrungen. Aber ich konnte mit Unterstützung meiner Eltern standfest bleiben. Das hat sehr gestärkt und Selbstvertrauen gegeben. Letzten Endes hab ich mit einem Studium beginnen können, auch ohne die Zustimmung der Organe. Meine Losung: Ich habe es in der DDR geschafft, dann schaffe ich es auch überall sonst.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Dass das Glas nicht halb leer gesehen wird, sondern halb voll. Mehr Reflexion über Gesamtzusammenhänge, Selbstvertrauen und gelebte Gemeinschaft.