Wir sind der

Osten

Katrin Münch-Nebel

Katrin Münch-Nebel ist Angestellte und 1980 in Rathenow geboren und aufgewachsen.

Gegangen: Katrin lebt heute in Berlin.

Foto: Heidi Scherm

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Weshalb bist du gegangen?

Ich bin damals mit 19 Jahren direkt nach dem Abitur gegangen. Ich wollte einfach raus aus dem Umfeld einer Kleinstadt und wollte mehr sehen und erleben. Es war ein glücklicher Zufall, dass Berlin direkt um die Ecke lag.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich bin gern dort, wo es Bewegung gibt und wo Dinge verändert werden. Diese Leidenschaft teile ich mit vielen meiner Weggefährten aus dem Studium, dem Job oder aus meinem Engagement für die Sozialdemokratie heraus. Ich glaube, es ist wichtiger als jemals zuvor, mit offenen Augen durch diese sich radikal wandelnde Gesellschaft zu gehen, sich zu verbinden und Brücken zu bauen. Ich glaube an ein starkes Miteinander und sehe gleichzeitig, dass dieses menschliche Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit schwindet. Die Zukunft versuche ich zu gestalten, indem ich mich jeden Tag auf Neue dafür einsetze, dass unsere Gesellschaft beieinander bleibt und unsere Demokratie gestärkt wird.

  • 1980

    Rathenow

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Hm, schwierige Frage. Ich manchen Situationen fühle ich mich schon ostdeutsch. Eigentlich immer dann, wenn ich in reinen ostdeutschen Gruppen unterwegs bin. Und dann, wenn ich merke, dass ich in einer Gruppe die einzige bin, die aus dem Osten kommt. Auch dann fällt es mir auf und ich fühle die ostdeutsche Herkunft. Emotional läuft da jeweils ein eigener Film ab.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine ostdeutsche Herkunft schleicht sich immer dann besonders ins Bewusstsein, wenn Situationen sich radikal verändern. Ich glaube, dass ist so eine Art Transformationserfahrung, die wir als Ostdeutsche gegenüber den Westdeutschen im Unterbewusstsein durchgemacht haben und die uns fürs Leben gestärkt hat. Alle unsere Eltern haben von heute auf morgen aufgrund der Wende ihren Job verloren und mussten sich komplett neu aufstellen. Es war ja nicht nur eine Veränderung der Arbeit, sondern auch des sozialen Miteinanders damit verbunden. Das prägt schon enorm. Wir haben damals das gut gemeistert, wir werden deshalb auch andere, weniger schwierige Situationen meistern.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir ein gutes Leben für und in Ostdeutschland. Ich wünsche mir, dass die persönlichen Verletzungen, die es zweifelsohne gegeben hat, verheilen und es gelingt, einen Frieden damit zu finden. Dafür müssen die Ursachen offen genannt und erklärt werden. Dafür brauchen wir das demokratische Gespräch miteinander und neue Deutungsmuster. Wir müssen dabei weniger die individuelle Perspektive einnehmen, sondern uns fragen, welche strukturellen Ursachen dazu geführt haben.