Wir sind der

Osten

Linda Vierecke

Linda Vierecke ist Journalistin und 1982 in Brandenburg an der Havel geboren und hat später in den USA, Chile, Polen und Bolivien gelebt.

Zurückgekehrt: Linda wohnt heute in Berlin.

Foto: Robert Richter

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Meine Auslandsaufenthalte waren immer auf Zeit angelegt. Beim letzten Mal, in Bolivien, habe ich als Entwicklungshelferin Journalisten ausgebildet. Verbundenheit zu meiner Heimat hatte ich schon immer und wollte nie wirklich lange vom Osten weg.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Journalistin für den deutschen Auslandsrundfunk „Deutsche Welle“ mache ich Fernsehen für die ganze Welt. Dabei ist es mir wichtig, die Fakten zu recherchieren, unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen zu lassen und immer mit Haltung zu berichten.

  • 1982

    Brandenburg an der Havel

  • USA

  • Chile

  • Polen

  • Bolivien

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Für mich ist es völlig selbstverständlich, dass ich als Frau und Mama auch arbeite. Das habe ich von meiner Mama so mitbekommen, da streite ich nicht mehr drum. Eine ostdeutsche Erfahrung, die ich mit in meine Generation genommen habe. Eine andere: Mein Blick geht ganz selbstverständlich in den Osten. Mich interessiert nicht nur Ostdeutschland, sondern auch Polen, Tschechien, die Ukraine. Die meisten Deutschen interessiert der Westen mehr. Ich fand den Osten immer spannender: ein bisschen unfertig. Mehr Raum zu gestalten.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin jetzt genau so alt wie mein Vater damals, als die Wende kam: 37 Jahre. Er arbeitete im Stahlwerk, welches Anfang der 90er Jahre abgewickelt wurde. Er hat nie wieder einen richtigen Job gefunden. Nichts ist ewig, das weiß ich. Kein System bleibt für immer, Wandel kommt. Ich hab mir vorgenommen, den Wandel mitzugestalten, so gut es geht, so sozial es geht. Denn was nach der Wende verloren ging, ist vielerorts der soziale Zusammenhalt. Das darf uns nicht noch mal passieren.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass die Menschen aus dem Westen mehr Verständnis für die Geschichten aus dem Osten haben und mehr Interesse. Wer genau hinblickt, sieht, wie spannend und vielfältig dieser Osten ist.