Wir sind der

Osten

Lisa Puchowski

Lisa Puchowski ist Kultur- und Medienpädagogin und 1989 in Wittenberg/Coswig geboren und lebt heute in Leipzig.

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Weshalb bist du geblieben?

Ich bin nie weit weg gegangen, weil ich nah bei meiner Familie bleiben wollte. Auf jeden Fall weg von zu Hause und der Provinz aber bitte so, dass ich noch innerhalb einer Autostunde zum Kaffee vorbei kommen kann.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich bin als Bildungsreferentin für globales Lernen und nachhaltige Entwicklung für Schulen und anderen Bildungseinrichtungen unterwegs. Dabei möchte mit den Teilnehmenden durch spielerische Methoden ins Gespräch kommen, Perspektiven entdecken und Haltungen entwickeln. Mein Ziel ist es, mich noch stärker in der politischen Bildung zu engagieren und zu vernetzen weil das für mich die Grundlage für gelebte Demokratie und damit einer freien Gesellschaft ist.

  • 1989

    Wittenberg/ Coswig (Anhalt)

  • Heute

    Leipzig

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Seitdem ich mich erinnern kann, hat mich das Wort „Ossi“ geprägt hat. Noch bevor ich verstanden hatte, was es bedeutet, war das Teil meiner Identität. Da ich Jahrgang 89 bin, habe ich zwar keinerlei direkte Erfahrungen mit der Wende, aber mit deren jahrelangen Nachwehen. Die Gesprächsthemen, die Rhetorik, die Perspektiven und schlicht die Beschaffenheit meiner Umwelt, haben mich zu einer Ostdeutschen gemacht. Es war immer die Rede von „uns armen Ossis“ und „den Wessis, die alles hatten“. Da lernte ich, dass ich zu einer Gruppe gehöre, die benachteiligt ist und, dass es eine andere gab, die privilegiert ist. Das macht etwas mit einem Kind, denke ich.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin dankbar dafür, dass ich mit einem relativ starken Frauenbild aufgewachsen bin. Bei uns gab es keine Mütter, die Hausfrauen waren. Wenn dann gab es arbeitslose Mütter. Ersten Kontakt mit westdeutschen Frauen hatte ich durch den Film „Papa ante Portas“. Einiger Jahre später erkannte ich, dass diese Frauen und deren Lebenswirklichkeit tatsächlich echt und normal sind. In Westdeutschland. Das fand ich ganz schlimm.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir natürlich erstmal, dass Ostdeutschland nicht (wieder) von einer rechtsextremen und antidemokratischen Partei regiert und zerstört wird. Dieser Gefahr liegt meiner Meinung nach zugrunde, dass Ostdeutschland im gesamtdeutschen Kontext nicht so ganz ernst genommen wurde und wird. Wie zum Beispiel bei der Feier zum 35. Einheitsjubiläum, welche für mich fast schon selbstgefällig westdeutsch daher kam.
Ich würde mir wünschen, dass wir dem „blauen Osten“ nicht den apokalyptischen Stempel aufdrücken. Ostdeutschland sollte mehr Repräsentanz in allen Bereichen finden, Seine vielfältigere Gesellschaft sichtbar sein und wir sollten den Fokus auch auf die Dinge lenken, die gut funktionieren.