Wir sind der

Osten

Manja Kliese

Manja Kliese ist Diplomatin und 1978 in Pasewalk geboren und in Karl-Marx-Stadt aufgewachsen.

Zurückgekehrt: Manja lebt heute in Berlin.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Mein Job erforderte zunächst eine Ausbildung in Bonn, dann mehrere Stationen im Ausland und derzeit wieder einen längeren Aufenthalt in Berlin. Es ist also weniger meine Entscheidung als die meines Arbeitgebers, wo ich lebe. Allerdings: Hier in Berlin fühle ich mich in den ostdeutschen Stadtteilen tatsächlich wohler, weshalb ich jetzt wieder im Osten lebe.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Diplomatin arbeite ich abwechselnd für mehrere Jahre im Auswärtigen Amt in Berlin oder an einer der deutschen Auslandsvertretungen Deutschlands weltweit. Ich kann so die deutsche Außenpolitik mitgestalten und durch meinen persönlichen Einsatz mit Leben füllen. Mir ist dabei der Kontakt zu deutschen und ausländischen Entscheidungsträgern genauso wichtig wie der Dialog mit Besuchergruppen, die sich für außenpolitische Themen und die tägliche Arbeit von Diplomaten interessieren. Zur Zeit bin ich im Auswärtigen Amt Leiterin des Referats „Hilfe für Deutsche im Ausland“.

  • 1978

    Pasewalk

  • Bonn

  • Paris

  • Istanbul

  • Beirut

  • Riga

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich war elf Jahre alt, als die Mauer fiel, meine bewusst erlebte Kindheit im Osten also eher kurz. Jedoch sind es meiner Ansicht nach die Nachwendejahre, die mich entscheidend als ostdeutsch geprägt haben. Während man als Jugendlicher Mitte der 1990er Jahre seinen Platz im Leben suchte, waren Eltern und Lehrer damit beschäftigt ihren eigenen Platz dort nicht zu verlieren bzw. sich selbst neu zu verorten. Wir erhielten so kaum Orientierung und hatten nur wenige berufliche Vorbilder, dies unterschiedet mich deutlich von meinen westdeutschen Freunden und Kollegen, die häufig stärker auf ihrem individuellen Karriereweg begleitet wurden.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin stolz darauf, vieles aus eigener Kraft geschafft zu haben. Mich auf meine eigenen Stärken verlassen zu können ist eine besonders positive Erfahrung aus der Nachwendezeit, von der ich noch heute profitiere.
Umgekehrt ist es mir wichtig, junge Menschen zu beraten und zu ermutigen, wie sie ihren Karriereweg speziell in der Außenpolitik gehen können. Man benötigt dafür nämlich keine adligen Vorfahren und keine gut betuchten Eltern.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Mehr Offenheit für Neues und „Anderes“.
Ein höheres Selbstwertgefühl, wenn es um die eigenen Stärken geht.
Respekt für die individuelle Lebensleistung unserer Elterngeneration, die Brüche verkraften musste.
Vor allem: politische Bildung, die positive Teilhabe fördert und demokratische Werte stärkt.