Wir sind der

Osten

Manuel Buckow

Manuel Buckow ist selbstständig, Unternehmer und Wirtschaftsentwickler und 1985 in Dresden geboren, in Großräschen aufgewachsen.

Geblieben: Manuel wohnt heute in Rostock.

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Weshalb bist du geblieben?

Das liegt wohl in meiner Einstellung begründet. Ich sehe mich als eine Art Ziege. Die Ziege hat drei Möglichkeiten, nachdem sie ihre Wiese leer gefressen hat. Erstens: Meckern und tot umfallen, weil verhungert. Zweitens: Andere Wiese suchen und sich auf dieser neu etablieren. Drittens: Am bisherigen Ort eine Wiese erschaffen, auf der es immer grün ist, zu der auch die anderen Tiere gern kommen. Eine Wiese der Zukunft! Ich bin keine Ziege, für die die ersten beiden Möglichkeiten eine Option sind. Ich will die Wiese der Zukunft!

Wie gestaltest du die Zukunft?

An erster Stelle bin ich Mobilfunkfachhändler. Da sich die Zeiten aber wandeln, helfe ich Unternehmern, ihre Smartphone und Tablets auch smart einzusetzen und so Mehrwerte zu schaffen. An zweiter Stelle bin ich Hobby-Unternehmensberater mit dem Fokus auf die Entwicklung von Geschäftsmodellen, digitalen Lösungen, Produktentwicklung und Marketing. An dritter Stelle engagiere ich mich im Netzwerk.Seenplatte. Da ich ein digitaler Knusperkopf bin, fallen mir mit der Zeit ziemlich häufig Dinge ein, wie man unsere Mitglieder in das digitale Zeitalter begleitet. Manchmal transferiert man dort einfach die Start-Up Mentalität oder teilweise auch das digitale Know-How. Manchmal kommen auch ganz neue Ideen.

  • 1985

    Dresden

  • Großräschen

  • 2019

    Rostock

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

5 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich müsste mich eigentlich ostdeutsch fühlen. Aber damit würde ich mich und andere ausgrenzen. Der Mauerfall ist lange her. Meine Tochter ist gerade 6 Jahre alt geworden und soll keine Unterschiede erfahren müssen, weil sie „Ostdeutsche“ ist. Ostdeutsch sein ist für mich, genauso wie deutsch sein, keine erstrebenswerte Kategorie. Ich bin Manuel und ich mach mein Ding. Und ich will, dass andere auch ihr Ding machen können und das ungestört, erfolgreich und vor allem glücklich. Jetzt müssen wir die letzten Unterschiede überwinden. Dinge erschaffen, aufbauen, einfach machen. Dafür brauchen wir aber auch Familie, Freunde, Netzwerke, Vereine, Verbände und den Staat.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich hatte erstmal das Glück, dass ich in eine tapfere Familie hineingeboren wurde. Meine Eltern wurden ja direkt von der Wende erfasst. Zu DDR-Zeiten studiert oder eine Ausbildung gemacht. Zack Wende. In Großräschen wurde die Braunkohle dicht gemacht und Arbeitslosigkeit war ein riesen Thema. Damals und heute sieht man noch Graffitis wie „Herr Kohl, wo sind die blühenden Landschaften?“. Ich kann mich an keinen Moment als Kind oder heute erinnern, in dem gejammert wurde über die Zustände. Man hat sich entwickelt, bewegt und aufgebaut. Wir sind die Familie, die mit dem Makler in eine Bruchbude geht und die Möglichkeiten sieht und nicht die olle Vergangenheit oder den aktuellen Zustand.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Bitte ergreift eher Chancen, als ständig jede Gefahr abwehren zu wollen. Schaut realistisch auf die Dinge und schaut auch, was ihr daraus machen könnt. Sucht nicht ewig den Verantwortlichen für eure missliche Lage, sondern schaut, was Ihr selbst tun könnt. „Da gibts ja nüscht, da is ja nüscht, was soll man hier nur machen?“ ist für den Macher und Mutigen immer eine Aufforderung, dort etwas zu erschaffen. Überwindet Neid, Missgunst, Angst vor dem oder den Fremden. Diese Gefühle sind immer ein Anzeichen für eine Möglichkeit, etwas besser zu tun. Die Entfremdung im eigenen Land ist keine Ursache von Einwanderung, sondern persönlicher Abschottung vor dem Anderen und Neuen.