Wir sind der

Osten

Mareike Rauchhaus

Mareike Rauchhaus ist Head of Communications der nextbike GmbH und 1979 in Erfurt geboren und aufgewachsen, hat später in Jena und Berlin gelebt.

Zurückgekehrt: Mareike wohnt heute in Leipzig.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich habe mich bewusst für ein Studium in Jena entschieden, weil ich damals nicht so weit von zu Hause weg wollte. Nach dem Abschluss habe ich mich zwar deutschlandweit beworben, aber wenn ich ganz ehrlich bin, lag der Fokus trotzdem eher auf den ostdeutschen Städten. Dann bin ich nach Berlin (West) ;-) und später nach Leipzig, weil es eben mit den Jobs und der Liebe gepasst hat. Fazit ist also, für meinen Verbleib im Osten waren primär immer die sozialen Bindungen ausschlaggebend.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich arbeite seit zehn Jahren bei nextbike und habe das Unternehmen mit aufgebaut. Mittlerweile betreiben wir Bike Sharing weltweit in über 200 Städten und haben wirkliche Pionierarbeit geleistet. Denn damals kannte kaum jemand sogenannte öffentliche Fahrradverleihsysteme. Wir haben die Klinken von Rathäusern und Verkehrsunternehmen geputzt (machen wir immer noch), um die Leute von der nachhaltigen Wirkung des institutionalisierten Mietfahrrads zur überzeugen. Für mich ist im Stadtverkehr das Fahrrad das einzige Verkehrsmittel, mit dem man bspw. Platzknappheit, Feinstaubbelastung, Klimaschutz, Lärm, Bewegungsträgheit u.v.m. mit vergleichsweise geringen Geldmitteln in den Griff bekommen kann.

  • 1979

    Erfurt

  • Jena

  • Berlin

  • 2019

    Leipzig

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Wenn es um den Geschmack von Bratwurst und die Wertschätzung schöner grüner Hügellandschaften geht, fühle ich mich tatsächlich recht thüringisch. Ansonsten kann ich mich mit der Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund einer geografischen Lage eher wenig identifizieren. Aufgrund dieses Fragebogens habe ich ungemein repräsentativ mit ein paar Ost-West-Mix-Freunden über sogenannte westdeutsche und ostdeutsche Eigenschaften diskutiert: Ostdeutsche seien z.B. authentischer und Westdeutsche oberflächlicher. Ich halte mich für sehr authentisch und wenig oberflächlich, aber für mich sind das meine individuellen Eigenschaften und nicht die von 16 Millionen ehemaligen DDR Bewohnern.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine Eltern sind mit der Wende erstmal arbeitslos geworden, das war natürlich unglaublich disruptiv. Somit zogen eben auch Zukunftsängste bei uns zu Hause ein, die sich zuvor nur sehr abstrakt auf den Klassenfeind beschränkt hatten. Es war immer wichtig, dass meine Schwester und ich gute Noten hatten, aber jetzt hieß es: keine Einsen, später kein ordentlicher Job. Insofern gab es plötzlich einen viel größeren Druck. Auch die obligatorischen Praktika nach meinem geisteswissenschaftlichen Abschluss haben meine Eltern irritiert, was mich dann wieder verunsicherte. Und wenn ich mal einen Job gekündigt habe, hatten sie immer sehr viele Bedenken, das kam in ihrem Arbeitsleben einfach nicht vor.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir generell für Deutschland, aber auch alle anderen Länder, in denen halbwegs demokratische Verhältnisse bestehen und die Menschen frei wählen können, dass der Zulauf bei den Rechtspopulisten abebbt und ebenso die Ursachen für diesen Zulauf nachhaltig behoben werden.