Wir sind der

Osten

Marieke Reimann

Marieke Reimann ist Chefredakteurin von ze.tt und 1987 in Rostock geboren, hat später in Köln, München und Malta gelebt.

Zurückgekehrt: Marieke wohnt heute in Berlin.

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Ich bin schon mit 18 wegen meines Berufswunschs -Journalistin – aus Rostock weggezogen und habe in den folgenden Jahren u.a. für RTL in Köln und für Focus Online, ProSieben/Sat1 und die SZ in München gearbeitet. Ich war zwischendurch auch nach Malta ausgewandert und habe von dort als freie Journalistin gearbeitet. Nach meinem Master in München war ich für kurze Zeit beim MDR in Leipzig, bevor ich 2014 nach Berlin zog, wo ich zunächst für 11 Freunde und als freie Sportjournalistin arbeitete – und wo ich heute ze.tt als Chefredakteurin leite. Für mich war immer klar, dass ich wegziehen muss, weil die auflagen- und reichweitenstarken Medien alle in den alten Bundesländern ihren Sitz haben.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Chefredakteurin eines Magazins mit millionenfacher Reichweite habe ich die Möglichkeit, zusammen mit meinem Team an einem ausgeglicheneren, diverseren, gerechterem Journalismus zu arbeiten. Das zeigt sich z.B. darin, dass ze.tt schon seit Jahren durchgehend gendert, schon lange eine regelmäßige Berichterstattung aus Ostdeutschland hat, die sich nicht nur um Neo-Nazis und Stasi dreht – und bei jeder Überschrift und jedem Bild darauf achtet, möglichst alle Menschen anzusprechen. Und: Ich entscheide selbst, wie sich unser Team zusammensetzt und kann dafür sorgen, dass es ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – oder eben aus Ost und West gibt.

  • 1987

    Rostock

  • Köln

  • München

  • Malta

  • 2019

    Berlin

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich fühle mich ostdeutsch, weil ich in Rostock, einer Stadt IN der ehemaligen DDR mit Menschen (u.a. meinen Eltern, Lehrer*innen, Sporttrainer*innen etc.) AUS der ehemaligen DDR aufgewachsen bin. Ich bin daher ganz klar „ostsozialisiert“ und mit entsprechenden Werten und Traditionen groß geworden. Dass ich mich nach wie vor „ostdeutsch“ fühle, hat vor allem auch damit zu tun, wie man in meinem Job als Journalistin in „westdeutschen“ Städten auf meine Herkunft reagiert hat – und wie meine Heimat in den Medien dargestellt wird.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Dass ich aus dem ehemaligen „Osten“ komme, beeinflusst mich seit meiner Kindheit: Schon früh habe ich vor allem die ungleiche Darstellung von Menschen aus Ost und West in den Medien wahrgenommen – und nicht nachvollziehen können. Das hat mich ebenfalls dafür sensibilisiert, besonders darauf zu achten, wie auch andere „Randgruppen“, wie Homosexuelle, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderung dargestellt werden. Und mich dazu gebracht, den deutschen Journalismus dahingehend ändern zu wollen.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Die gesetzliche Angleichung von Lohn und Rente an Westdeutschland. Die infrastrukturelle Aufwertung ländlicher Gebiete. Einen öffentlichen Diskurs über die politische Entwicklung „des Ostens“, der über die Landtagswahlen hinaus anhält. Eine deutlich erhöhte Repräsentanz (vor allem in den Medien) und damit einhergehende Akzeptanz in Gesamtdeutschland.

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