Wir sind der

Osten

Mathias Richel

Mathias Richel ist Gründer und 1981 in Frankfurt (Oder) geboren.

Gegangen: Mathias lebt heute in Berlin.

Foto: Stephan Pramme

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Weshalb bist du gegangen?

Im Jahr 2000 in Frankfurt (Oder) – das war der wichtigste Grund zu gehen.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich versuche Parteien, Organisationen und Verbände auf dem Weg der (gesellschaftlichen) Veränderung zu begleiten. Das sind oft strategische, prozessuale und organisatorische Aufgaben. Vor allem aber auch kommunikative. Privat versuche ich den öffentlichen Blick auf ostdeutsche Nachwende-Identitäten zu lenken, weil mir die Geschichten der Menschen, die als Jugendliche die Nachwendezeit im Osten erlebt haben (ab Jahrgang 78) zu wenig erzählt werden. Weil sie sich zum Teil schon gravierend von den Geschichten ihrer Eltern unterscheiden, die damals auf die Straße gingen. Die scheinen mir aber ausreichend dokumentiert. Weniger die der in der Luft hängenden Generation der 90er-Jahre.

  • 1981

    Frankfurt (Oder)

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

5 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Meine Prägung fand natürlich vor allem in der Nachwende-Zeit (90er Jahre) statt, obwohl ich familiär bedingt auch schon als kleines Kind sehr nah am Geschehen von Mauerfall und Einigung war. Diese Erfahrungen haben mich stark geprägt. Sowohl die Beschränkungen und Unsicherheiten, aber auch die erzwungenermaßen vorhandenen Freiräume ohne Autoritäten. Dass sich diese Erfahrungen und Prägungen deutlich von westdeutschen unterscheiden, habe ich 2003 zum ersten Mal gemerkt, als ich eine Ausbildung in Hamburg begonnen hatte und auch zum ersten Mal gemerkt habe: Ja, ich bin ostdeutsch. Auch, weil mir das dort oft genug gesagt wurde.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Dadurch, dass wir in Frankfurt (Oder) unsere eigenen Kulturräume aufbauen mussten und wir sehr schnell vor Ort lernen mussten, dass sich nichts tut, wenn wir es nicht selbst machen, wuchs in mir ein starkes Autonomiebedürfnis und die Erkenntnis, dass ich vieles selbst machen kann. In unsicheren und angstbeladenen Zeiten aufzuwachsen hat mir dabei geholfen zu erkennen, dass Veränderungen und Wandel dann super sind, wenn man beides selbst gestaltet/gestalten kann.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Eine wechselseitige Umarmung der Wirklichkeit. Und das Bewusstsein vieler Weggezogener, dass sie ihr Rüstzeug, dass sie dafür brauchten, oftmals genau den ostdeutschen Umständen zu verdanken hatten, inkl. der daraus folgenden Erkenntnis: Jetzt ist Payback-Time!