Wir sind der

Osten

Matthias Quent

Matthias Quent ist Soziologe und 1986 in Arnstadt geboren.

Geblieben: Matthias wohnt heute in Jena.

Foto: Sio Motion

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Weshalb bist du geblieben?

Wie überall auf der Welt gibt es auch in Ostdeutschland Probleme. Hier gehört die besondere Stärke und Sichtbarkeit des Rechtsradikalismus schon lange zu diesen Problemen. Wie überall gibt es viele Menschen, die sich diesen Problemen stellen, die andere unterstützen und für eine offene Gesellschaft und eine lebenswerte Zukunft kämpfen. Besonders deutlich zeigt dies die Landesregierung von Bodo Ramelow. Diese Offenheit für Neues ermöglicht es, ausgetretene Wege zu verlassen und auch im wissenschaftlichen Bereich Pinonierarbeit zu leisten. Ich bin froh, dafür als Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena einen Beitrag leisten zu können.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als öffentlicher Soziologie und Rechtsextremismusforscher versuche ich zu Versachlichung von Debatten beizutragen, Räume für den wechselseitigen Transfer von Beobachtungen und Erkenntnissen zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu schaffen. Trotz schwieriger Umstände werbe ich für faktenbasierte Zuversicht und daran, dass wir den Weg von Aufklärung und Demokratie weitergehen.

  • 1986

    Arnstadt

  • 2019

    Jena

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Was soll das sein und wie soll sich „ostdeutsch“ anfühlen? Gekränkt wegen der erheblichen Reibungsverluste, die auch meine Familie nach der Vereinigung erleiden musste? So wie die Steine, Fäuste und Stahlstangen, mit denen uns als Jugendliche die Nazis traktiert haben? Ostalgisch gegenüber der DDR? Stolz über die Fortschritte der letzten drei Jahrzehnte? Ermächtigt oder unterdrückt als Teil eines subnationalen Zwangskollektivs? Nicht für mich. Ich fühle mich als Mensch. Herkunft ist Zufall und keine Verpflichtung.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Natürlich hat mich meine Sozialisation in Ostdeutschland geprägt. Insbesondere die Erfahrungen mit Neonazigewalt in meiner Jugend haben dazu beigetragen, dass ich mich heute wissenschaftlich und mit expliziter Positionierung für Demokratie und Zivilgesellschaft mit Rechtsradikalismus und Hassgewalt beschäftige.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass Ostdeutschland den Weg der liberalen Demokratisierung erfolgreich weitergeht und es die radikale Rechte nicht schafft, die zivilgesellschaftlichen und zum Teil hart erkämpften Errungenschaften der vergagenen 30 Jahre zurückzudrehen.