Wir sind der

Osten

Michael Benz

Michael Benz

Michael Benz ist 1985 in Teningen geboren und später nach Ostdeutschland gezogen.

Rübergemacht: Michael wohnt aktuell in Leipzig, wo er als Gründer und Geschäftsführer von whyapply tätig ist.

Foto: Softwareforen Leipzig GmbH

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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Nach meinem Bachelor-Studium bin ich 2009 für den Master nach Leipzig gezogen. Grund war die fachliche Ausrichtung der Universität in meinem Fach. Die Stadt habe ich sehr schnell als attraktiv wahrgenommen. In Süddeutschland sind einige Dinge etwas konservativer, da war die Stimmung in Leipzig sehr dynamisch. Durch Zufall habe ich dann nach meinem Studium hier meinen ersten Job bekommen und nach einigen Jahren dann mein eigenes Start-up gegründet.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Wie erreichen Unternehmen Kandidaten, die gar nicht suchen? Und warum sind Bewerbungsprozesse gleichzeitig so starr? Diese beiden Fragen treiben mich beruflich um. Gemeinsam mit meinem Mitgründer Ronald haben wir in Leipzig whyapply gegründet. Ein HR-Unternehmen mit einem völlig neuen Ansatz, Kandidaten zu erreichen. Nach meinem Studium der Islamwissenschaft habe ich als Quereinsteiger schnell gemerkt, wie standardisiert Bewerbungsverfahren sind, und wie wenig oftmals auf die reale Aufgabe und den Hintergrund des Bewerbers geachtet wird. Das wollen wir von Leipzig aus ändern. Auch wenn unsere Kunden natürlich aus ganz Deutschland kommen.

  • 1985

    Teningen

  • Iran

  • Oman

  • Syrien

  • 2020

    Leipzig

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

1 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Ich habe mich vorher aber auch nicht westdeutsch gefühlt. Wahrscheinlich wäre deutsch die erste Zuschreibung, die ich hier machen würde.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Einige Freunde haben tatsächlich mit Unverständnis reagiert. Wohl aber eher wegen der Entfernung als wegen „dem Osten“. Aber die ein oder andere verwunderte Frage kam schon, warum genau dorthin.

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Nach der Wende fand eine Systemanpassung statt – an das bestehende System der BRD. Da Westdeutsche mit den Mechanismen bereits sehr viel länger vertraut waren, denke ich schon, dass sie hier einen Startvorteil hatten. Ob das heute noch so ist, wage ich allerdings stark zu bezweifeln.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Interessant fand ich, dass ich sensibler geworden bin für das Thema Ost/West. Die Thematik, dass Deutschland geteilt war, ist etwas, was in der Lebensrealität in Süddeutschland damals bei mir gar nicht vorkam. Und, dass das Thema bei ostdeutschen Kommilitonen, die selbst lange nach der Wende geboren wurden, ebenfalls noch sehr präsent ist. Beeindruckt hat mich dabei – manchmal ist es schon fast beängstigend – die enorme Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge in Leipzig wandeln.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Weniger Ost-Bashing täte gut. Das würde den Raum für eine strukturelle Anpassung bieten, die in manchen Teilen noch kaum ausgeprägt ist. Leider haben PEGIDA und die Ergebnisse einiger Landtagswahlen hier viel Imageschaden verursacht.