Wir sind der

Osten

Michael Bittner

Michael Bittner ist freier Autor und 1980 in Görlitz geboren.

Geblieben: Michael wohnt heute in Berlin.

Foto: Amac Garbe

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Weshalb bist du geblieben?

Ich hatte nie das Bedürfnis, noch war es für mich aus beruflichen Gründen notwendig, in ein westdeutsches Bundesland umzuziehen. Ich habe mich in meinen Jahren in Dresden recht wohl gefühlt, so wie ich mich auch jetzt in Berlin wohl fühle. Das hat aber nichts mit Ostpatriotismus zu tun. Eher gefällt mir, dass es im Osten noch unbesetzte Räume für Kultur gibt und das Leben erschwinglich ist, auch wenn man nicht viel besitzt.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Seit 2004 arbeite ich selbstständig als freier Autor und Organisator von Literaturveranstaltungen. Lange Jahre habe ich das in Dresden und Görlitz gemacht, seit 2012 wohne ich in Berlin. Dennoch organisiere ich auch in Sachsen weiterhin Lesungen, so etwa bei „Literatur Jetzt!“, dem Festival zeitgenössischer Literatur in Dresden, sowie der Dresdner Lesebühne Sax Royal. Als Autor schreibe ich u.a. für die Sächsische Zeitung, die taz und die konkret, nicht zuletzt über das Thema Ostdeutschland.

  • 1980

    Görlitz

  • 2019

    Berlin

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Obwohl ich die DDR nur als Kind miterlebt habe, sind doch viele Erfahrungen prägend geblieben. Da meine Partnerin aus Westdeutschland kommt, kann ich ganz gut am eigenen Leib einschätzen, welche Vor- und Nachteile die Sozialisation im Osten so mit sich gebracht hat.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Mir scheint, dass Ostdeutschen eine gewisse Bodenständigkeit eigen ist, selbst den Künstlernaturen unter ihnen. Eine Gelassenheit, die vielleicht aus der Erfahrung radikaler Umbrüche resultiert, würde ich mir auch zuschreiben. Bei anderen Ostdeutschen hat dieselbe Erfahrung allerdings eher Furcht vor allem weiteren Wandel in die Seele gepflanzt.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass eine kommende Generation im Osten mit weniger Furcht, Wut und Verschlossenheit aufwächst. Die Aussichten dafür sind aber, wenn man es nüchtern betrachtet, nicht sehr gut, denn gerade junge, weltoffene Leute werden derzeit wieder eher zur Flucht ermutigt. Eine Lösung der ökonomischen Probleme ist auch nicht in Sicht. Vieles im Osten ist aber einfach zu schön, um es aufzugeben, weshalb ich es auch als eine meiner Aufgaben ansehe, den Dumpfbacken zu widersprechen.