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Osten

Nicole Bastien

Nicole Bastien ist Geschäftsführerin und 1976 in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) geboren, hat später in Bamberg und Augsburg gelebt.

Gegangen: Nicole wohnt heute in München.

Foto: Anne Kaiser Photography

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Weshalb bist du gegangen?

Gegangen bin ich 1994, weil ich in Bamberg Sozialwesen studieren wollte. Dass das ausgerechnet diese Stadt war, lag an den Lehrinhalten der Hochschule. Nach dem Studium, 1998, wollte ich Erfahrungen in Schulsozialarbeit sammeln. Das ging nur in Augsburg. Diese Art von Jobs war damals eine Seltenheit. Von dort wechselte ich als Referentin für Bildungspolitik zu den Bayerischen Arbeitgeberverbänden nach München. Dort konnte ich so viel mehr gesellschaftlich bewirken, als ich es in meinem sozialen Job jemals gekonnt hätte. 2008 wechselte ich als Geschäftsführerin zu der Firma, für die ich heute noch arbeite. In München lebe ich mit meinem amerikanischen Mann und unseren zwei Kindern.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Als Geschäftsführerin beschäftige ich mich zwangsläufig mit dem, wie eine Organisation geschaffen ist, was sie zusammenhält und sinnvoll verändert. Für mich sind Organisationen ein Teil der Gesellschaft und damit Teil eines größeren Ganzen. Mein Antrieb ist es, Organisationen, die ich zumeist als Schauplätze der Macht sehe, in Kraftplätze zu wandeln. Nur dort können sich Menschen als Menschen begegnen und gemeinsam Sinnvolles erschaffen. Gemeinsam mit meinen Mitarbeiter*innen verändere ich gerade unsere Firma. Wir verabschieden uns mehr und mehr von hierarchischen Strukturen, arbeiten kooperativer. Das verändert uns als Menschen auf allen Ebenen. Das bemerken auch unsere Kunden.

  • 1976

    Sangerhausen

  • Bamberg

  • Augsburg

  • 2019

    München

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

In erster Linie fühle ich mich europäisch und dann deutsch. Das mag an meiner bilingualen Partnerschaft liegen und dass ich dadurch einen anderen Blick auf „die Deutschen“ habe. Wir sprechen daheim zwei Sprachen, springen zwischen unseren Kulturen hin und her. Für den amerikanischen Teil meiner Familie spielt übrigens die deutsche Trennung aus historischem Interesse eine Rolle, nicht jedoch in unserem täglichen Miteinander. Gleiches gilt für die deutschen Menschen, mit denen ich beruflich zusammenkomme.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine Herkunft hat mich mit mehreren Fähigkeiten ausgestattet. Als Kind und beginnende Jugendliche musste ich z.B. in der DDR in vielen Gremien kleine Reden halten und habe verschiedene Kaderschmieden durchlaufen. Dadurch habe ich Selbstführung gelernt und ein feines Gespür für Machtmenschen und Manipulationen entwickelt. Sowas erkenne ich rasend schnell. Mein Wissen kommt heute Menschen zugute, die mit ähnlichen Mustern in Organisationen konfrontiert sind. Macht und Manipulation findet man in jedem System. Zudem habe ich bereits in sehr jungen Jahren mit kollektiver Arbeitsweise positive Erfahrungen gemacht. Diese Form der Zusammenarbeit erlebt durch das agile Arbeiten einen extremen Push.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Mein größter Wunsch ist, dass Ostdeutschland seinen Selbstwert und sein Selbstbewusstsein findet. Ich bin überzeugt, dass dadurch ganz neue sinnstiftende Impulse kommen.