Wir sind der

Osten

Oliver Roscher

Oliver Roscher ist Geschäftsführer und Anfang-Macher und 1990 in Oederan geboren.

Gegangen: Oliver lebt heute in Hamburg.

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Weshalb bist du gegangen?

Unbewusst bin ich aus dem Osten in den Norden gezogen, um dort meine Abschlussarbeit nach dem Studium an der TU Dresden zu schreiben. Ich hatte einen idealen Kontakt in das Hamburger Unternehmen über die Jahre während meines Studiums durch eine Kooperationen mit meiner Hochschulgruppe aufgebaut. Weiterhin hatte sich meine damalige Freundin (ebenfalls aus Sachsen) bereits ein paar Wochen vor mir für ein Praktikum in Hamburg entschieden. So gab es für mich zwei gute Gründe, um aus Dresden nach Hamburg zu ziehen. Und einmal angekommen, habe ich Hamburg als Stadt kennen und schätzen gelernt. Das sie nun im Norden und nicht im Osten liegt – ist schon schade, da die Wege zur Familie weit sind.

Wie gestaltest du die Zukunft?

„Ich unterstütze Führungsteams dabei, ihren Anfang für Veränderungen zu machen. Mich fasziniert die Energie, die ganz zu Beginn einer jeder Veränderung in Form von Motivation, Kraft sowie Klarheit und Tatendrang entsteht. Diese an nur einem Tag zu erschaffen und damit konkrete Handlungen herauszufordern, dafür und daran arbeite ich. Denn: Es muss einfach öfter angefangen werden. Ohne WENN und ABER, ohne Konjunktive. Sonst bleibt’s ja, wie es ist.
Ganz konkret führe ich mit meinem Team jeden Monat dutzende Menschen jeden Alters und jeder Profession zusammen: Um miteinander zu sprechen und zu arbeiten und sich kennenzulernen und, um die Chancen aus dem Teilen von Erfahrungen zu ermöglichen. “

  • 1990

    Oederan

  • 2019

    Hamburg

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Wenn ich nach meiner Heimat gefragt werde, dann nenne ich „ein Dorf in der Nähe von Chemnitz“. Doch habe keinen sächsischen Akzent mehr – der ist über die Jahre verloren gegangen. Ich bin in Hamburg Zuhause, und identifiziere mich genau so stark mit dieser Stadt wie mit meiner Heimat. Ich fühle mich wie ein ganz normaler Deutscher, und verwende sehr ungern das Wort „ostdeutsch“ („westdeutsch“ auch nicht). Es wird oft zur Typisierung verwendet und wurde meiner Meinung nach von den Themen in den 90ern geprägt: Rückständigkeit, Verfall, Arbeitslosigkeit, Sozialfall, Sozialismus-Trauer etc. Das passt doch heute nicht mehr so. Ich bin eher Sachse, als Ostdeutscher – also ein Deutscher.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich bin jüngst zum „Experten“ und gefragten Gesprächspartner anlässlich der Wahlen und aktuellen AfD-Erfolgen geworden. Dabei spüre ich das Interesse meiner Hamburger Freunde auf der Suche nach Erklärungen für den politischen Status Quo.
Ich selbst bin das erste Kind meiner jungen Eltern. Für die waren die 90er keine einfache Zeit – meine Mutter musste ihre Leidenschaft, als Kindergärtnerin zu arbeiten, aufgeben. In den Entlassungswellen musste sie als Jüngste der Kolleginnen gehen und wurde erst einmal arbeitslos.
Heute schaue ich anders auf unser Sozialsystem. Wir brauchen es, gerade in Zeiten des Umbruchs: und dann auf Augenhöhe zu den Menschen, es muss Chancen schaffen, für alle gleich.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Zuversicht und Mut, um weiterhin die eigene Umgebung aktiv zu gestalten. Ebenso eine gesellschaftliche Verarbeitung und Emanzipation vom „Opfer-Gefühl“ das aus den biografischen Brüchen der 90er Jahren herrührt. Sowie Initiativen um einen DAX-Konzern in Leipzig/Dresden/Erfurt/… als Erfolgs-Geschichte zu erschaffen.