Wir sind der

Osten

Sebastian Wolter

Sebastian Wolter ist Verleger und 1980 in Strausberg geboren und in Leipzig aufgewachsen.

Geblieben: Sebastian lebt heute in Leipzig.

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Weshalb bist du geblieben?

Die Frage hat sich mir nie ernsthaft gestellt, das, was ich machen wollte, konnte ich von Leipzig aus tun. Ich mag die Stadt und hatte hier auch das passende private Umfeld.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich bin einer der Verleger*innen des Independentverlags Voland & Quist, 2004 von Leif Greinus und mir gegründet, mittlerweile ist auch noch Karina Fenner in der Verlagsleitung. Wir veröffentlichen junge, urbane Literatur. Angefangen haben wir mit „Liveliteratur“ und Büchern mit CDs, dieser Nische sind wir entwachsen, so wie auch unsere Autor*innen, von denen viele mittlerweile mit Literaturpreisen und -stipendien ausgezeichnet wurden. Literarisch interessiert mich auch der ehemalige Ostblock sehr, vielleicht aufgrund meiner eigenen Wendeerfahrung: Was ist dort nach 1989 passiert, wie geht es den Menschen? Und was für Literatur gibt es darüber? Das erkunden wir in unserer Reihe „Sonar“.

  • 1980

    Strausberg

  • 2019

    Leipzig

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

1 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ja, da meine Familie von hier kommt, ich hier geboren wurde und lebe. Aber für mich hat das Ostdeutschsein an Bedeutung verloren in den letzten Jahren, das lief eigentlich konträr zum gesellschaftlichen Trend, da ist das Thema Ostdeutschland ja wieder wichtiger geworden. Ich treffe oft Leute, von denen ich gar nicht mehr sagen kann, woher sie kommen, ob aus Ost- oder Westdeutschland, das war vor 15 oder 20 Jahren noch anders. Und es interessiert mich auch nicht mehr so. Heute findet man meiner Meinung nach die wichtigeren Unterschiede zwischen den Menschen woanders: nämlich in den Einstellungen zu Themen wie Umwelt, Konsum, Migration usw.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Nach der Wende blieb meine Familie von größeren Brüchen, von Arbeitslosigkeit, Umzug o.ä. verschont, meine Kindheit und Jugend waren unbeschwert. Vielleicht hat sich meine ostdeutsche Herkunft in etwas anderem gezeigt: Die Lebenserfahrungen meiner Eltern haben mir für meine Selbständigkeit wenig genützt, es gab zudem kein Netzwerk vonseiten der Familie („Vitamin B“), keine Firma, in die ich eintreten und lernen konnte, und auch keine große Kapitalspritze zum Start. Das Studium war wichtig, das Geld für die Druckkosten des ersten Programms borgten wir uns zusammen, und dann ging‘s los. Wir haben uns alles selbst erarbeitet und den Verlag von null aufgebaut.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Optimismus