Wir sind der

Osten

Stephanie Auras-Lehmann

Stephanie Auras-Lehmann ist Projektkoordinatorin und 1982 in Finsterwalde geboren.

Zurückgekehrt: Stephanie wohnt heute in Doberlug-Kirchhain.

Foto: Elbe Elster Idaho

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Weshalb bist du zurückgekehrt?

Mein Fernweh, ein vielversprechender Studienplatz und eine befristete Teilzeitstelle im Reisebüro lockten mich 2005, in die Ferne zu schweifen und Ostdeutschland zu verlassen.
Mein damaliger Freund und jetziger Ehemann hat mich dann überredet, 2009 wieder nach Elbe-Elster in Südbrandenburg zurückzukehren.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Seit meiner Rückkehr 2009 möchte ich meine Erfahrungen, Tipps und Kontakte an andere Rückkehrwillige weitergeben und gründete 2012 im Ehrenamt „Comeback Elbe-Elster“. Das Interesse wuchs und die Initiative wurde aufgrund des erhöhten Arbeitsaufwandes an den Verein „Generationen gehen gemeinsam (G3) e.V.“ angegliedert. Comeback Elbe-Elster berät Rückkehrer, Zuzügler, Pendler und ihre Familien beim (Wieder)heimisch-werden in der Region. Wir unterstützen bei Fragen rund um die Themenbereiche Arbeit, Wohnen und Leben. Dank Fördermittel betreiben wir eine „Willkommensagentur“ in der Innenstadt von Finsterwalde, in der wir zweimal wöchentlich für Fragen vor Ort zur Verfügung stehen.

  • 1982

    Finsterwalde

  • Weilburg an der Lahn (Hessen)

  • New York City

  • 2019

    Doberlug-Kirchhain

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich gehöre zur Dritten Generation Ostdeutschland. Meine frühste Kindheit habe ich im Osten verbracht. Als ich sieben Jahre alt war, bin ich als Einheitskind meinen Weg ins Erwachsensein gegangen. Ich habe die neuen Möglichkeiten genutzt, die Welt zu entdecken. Erst im Studium und in Westdeutschland habe ich meine Herkunft und Ost-Identität hinterfragt. Als Heimat- und Rückkehrerbotschafterin habe ich Ostdeutschland nun wieder lieben gelernt. Meine ostdeutschen Wurzeln haben mich immer am Boden gehalten, auch wenn man manchmal schnell Höhenflüge in der globalisierten Welt bekommen hat.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Meine Eltern haben sich nach der Wende immer wieder neu erfunden: mal als Produkt- und Versicherungsvertreter oder als Gewerbetreibende mit Dessous- und Spielwaren auf dem Finsterwalder Marktplatz bis hin zum Inhaberpaar einer Cocktailbar in Zentrum der Innenstadt. Aufgeben ist keine Option. Dieses Lebensmotto und das ostdeutsche Improvisationstalent wurde uns erfolgreich in die Wiege gelegt. Mein ostdeutsches Erfolgsrezept ist es, mit ganz viel Herzblut und Ehrlichkeit alle privaten und beruflichen Lebenslagen zu bestreiten. Ich lebe hier nicht in einer heilen Welt, aber ich habe für mich und meine Familie in Ostdeutschland das ganz kleine Glück gefunden.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir eine mutige, leidenschaftliche, weltoffene und engagierte junge Generation Ostdeutschland. Eine Generation, die Neues bewegt und Innovationen mit Traditionen vereint. Rückkehrer und Zuzügler können den Einheimischen wieder Hoffnung geben und gemeinsam ein zukunftsorientiertes und zivilgesellschaftliches Ostdeutschland gestalten.

Ostdeutschland hat so viele wertvolle Erfahrungen im Systemwechsel, in der Transformation und im Strukturwandel gemacht. Diesen Wissensfundus sollten wir weltweit selbstbewusst für uns nutzen.

Ich hoffe, dass meine Enkelkinder in 30 Jahren in einem vereinten Deutschland mit gleichen Löhnen, Renten und Bildungssystemen geboren werden.