Wir sind der

Osten

Tabea McDonald

TabeaMcDonald

Tabea McDonald ist 1983 in Forchheim geboren und später nach Ostdeutschland gezogen.

Rübergemacht: Tabea wohnt aktuell in Elterlein, wo sie als Gymnasiallehrerin arbeitet.

Foto: Dale McDonald

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Weshalb hast du in den Osten rübergemacht?

Ich habe mich in ganz Deutschland nach einer Stelle als Lehrerin an einem Gymnasium umgesehen. Allerdings wurde es schwer, an einer staatlichen Schule angestellt zu werden. Daher entschied ich mich, es bei Schulen in freier Trägerschaft zu versuchen. Von den vielen Auswahlmöglichkeiten an Stellen, die sich mir hier boten, lagen alle ausschließlich in Ostdeutschland. Am Ende machte eine Schule in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) das Rennen. Die Schule, die Stadt und ich – es hat einfach gepasst.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich habe einiges von der Welt gesehen und erlebt – diese Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke möchte ich der Jugend von heute weitergeben. Und das geht natürlich sehr gut im Geographie- oder Englischunterricht.

  • 1983

    Forchheim

  • Long Beach (Kalifornien)

  • Kansas City (Missouri)

  • 2020

    Elterlein

Glaubst du, Menschen in Ostdeutschland können besser mit Veränderungen bzw. Wandel umgehen?

4 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich ostdeutsch?

Nein. Dafür bin ich erst viel zu kurz hier. Ich denke, in meinem Inneren werde ich immer ein großes Stück „bayrisch“ bleiben, genauso wie mein Mann sich stets amerikanisch fühlen wird. Aber die Einflüsse des Ostdeutschen auf uns und unsere Familie haben bereits begonnen – unser großer Sohn (6), hat schon einen leichten sächsischen Dialekt.

Welche Erfahrungen hast du in Ostdeutschland gemacht?

Die Erfahrungen von mir und meiner Familie in Ostdeutschland haben alle gängigen Vorurteile widerlegt. Ich würde sogar fast sagen, dass die Menschen hier noch freundlicher sind als in der Region, in der ich aufwuchs. Uns wurde sehr viel Hilfsbereitschaft zuteil und wir haben uns sehr schnell eingelebt. Einige haben überrascht reagiert, dass wir uns für den Osten entschieden haben, und haben uns einige Zeit lang geneckt, ob wir denn im Osten alles hätten, was wir bräuchten. Als sie dann aber nach und nach zu Besuch waren, mussten sie feststellen, dass es „hier“ ja gar nicht so anders ist wie „dort“. Viele kommen mittlerweile sogar sehr gerne zu uns!

Glaubst du, Westdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung im Osten Vorteile?

Bei dieser Frage bin ich mir überhaupt nicht sicher. Ich war damals nur ein Kind und habe das meiste Wissen daher nur aus den Medien. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es große Vorteile für Westdeutsche nach der Wiedervereinigung gegeben haben soll. In einem Land, das sich gerade erst wieder neu finden musste.

Was hast du in Ostdeutschland gelernt?

Besonders beeindruckt hat mich seit unserer Ankunft hier, dass ich vieles über Ostdeutschland lernen durfte, was im Geschichtsunterricht in Bayern nie thematisiert wurde. Natürlich hatten wir über die Pakete gesprochen, die man in den Osten schickte damals, aber dass die Not wirklich groß war in vielen Bereichen des Alltags, das habe ich erst von meinen neuen Kollegen erfahren. Beeindruckt hat mich da, wie erfinderisch diese Not dann gemacht hat. Dass es zum Beispiel keine Halterungen für die Balkonpflanzen zu kaufen gab, man musste improvisieren. Oder dass fast alle Häuser immer im gleichen Grauton gestrichen waren, weil es einfach keine andere Farbe gab. Das hinterlässt großen Eindruck.

Was wünschst du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass auch andere Nicht-Ostdeutsche den Charme von Ostdeutschland erkennen und sich nicht von Klischees und Halbwahrheiten abhalten lassen, dem Osten eine Chance zu geben. Ich wünsche mir auch, dass gerade die ländlichen Regionen in Ostdeutschland nicht den Anschluss verlieren, sondern weiterhin einen Zuzug von engagierten und weltoffenen Menschen verbuchen können.