Wir sind der

Osten

Tobias Heinemann

Tobias Heinemann ist Sozialpädagoge und 1971 in Wolfen geboren und in Radebeul aufgewachsen.

Geblieben: Tobias lebt heute in Radebeul.

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Weshalb bist du geblieben?

Mein Vater bot mir nach der Wende an, mir ein Auslandsjahr zu finanzieren. Ich war zu dieser Zeit in vielfältigen Aktivitäten (Sport, Theaterverein) eingebunden und konnte mir eine Auszeit hier nicht vorstellen. Rückblickend gesehen war das ziemlich doof von mir und im Nachgang bereue ich es.

Wie gestaltest du die Zukunft?

  • 1971

    Wolfen

  • 2019

    Radebeul

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Den großen Teil meiner Jugend (bis 18 Jahre) habe ich in Ostdeutschland verbracht und bin hier sozialisiert. Ich würde sagen, das ist für mich meine Heimat. Es ist viel mehr als nur ein Gefühl, sondern eher so etwas wie Identität. Sie hat etwas Trotziges und gleichsam etwas Empfindliches. Nach der Wende wuchsen die neuen Erfahrungen wie eine zweite Haut darüber.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Es gab zahlreiche Dinge, die mich in der Zeit vor der Wende stark geprägt haben: die Zugehörigkeit zur Kirche, der Sportverein und meine starke Familie. In der Wende haben meine Eltern keine massiven Brüche erlebt – es war eher wie ein Vakuum, welches nahezu plötzlich entstand und neu gefüllt werden wollte. Hier war Gelegenheit, zu gestalten und anzupacken. Die neuen Chancen – bspw. zu Reisen – habe ich nicht unmittelbar für mich genutzt. Wenn ich auf mein heutiges Leben blicke, dann stelle ich fest, dass ich aus der Zeit vor der Wende mein Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, das Positive zu sehen, für mich bewahrt habe.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Dass es uns gelingt, die Verbitterung abzulegen und mit einer großen Portion Gelassenheit in die Zukunft zu blicken. Wir Sachsen sind in Deutschland eine überaus reiche Region – und ich meine reich nicht nur im Sinn des monetären bzw. materiellen Wohlstandes, sondern vor allen Dingen reich an Möglichkeiten, reich an Ideen und unglaublich reich an Diversitäten. Ich wünsche mir, dass wir den Kopf aus dem Sand erheben und nach vorn blicken – und endlich erwachsen werden.