Wir sind der

Osten

Uta-Maria Caron

Uta-Maria Caron ist Director of Events and Caterin UK and Ireland bei Google und 1978 in Karl-Marx-Stadt geboren.

Gegangen: Uta lebt heute in London.

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Weshalb bist du gegangen?

Ich wollte nach dem Abi unbedingt weg von zu Hause. Ich hatte Französisch und Englisch gelernt in der Schule. In Disney suchte man nach deutschsprachigen Mitarbeitern für die Telefonreservierung. Ich bewarb mich und fing im September1996 dort an. Es war eine tolle Erfahrung, wo ich ich fließend Französisch lernte und nach 8 Monaten von der Reservierung in eins der großen Hotels wechselte. Nach fast zwei Jahren Paris ging ich das erste Mal nach London, wo ich mich drei Jahre lang in einem Hotel von der Rezeptionistin zum Hotel Manager hocharbeite. Es gelang mir danach, neun Monate auf den Malediven zu arbeiten, bevor ich für elf Jahre nach Paris ging und seit 2013 erneut in London lebe.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Ich habe kürzlich nach 23 Jahren die 5-Sterne Hotelindustrie verlassen. Diese hatte mich nach dem Abitur 1996 von Chemnitz nach Disneyland Paris über die Malediven nach Paris und London gebracht. Eine Veränderung und Erneuerung war nötig um weiterzulernen. Da kam das Angebot bei Google wie gerufen. Ich bin für interne Veranstaltungen zuständig in Dublin und London, mit je 5000 Googlern vor Ort. Ich freue mich über diese neue Möglichkeit, meine Hotelerfahrung zu nutzen und dabei im corporate Umfeld viel dazuzulernen. Ich bin in London basiert und pendle mehrmals im Monat nach Dublin. Wir organisieren Veranstaltungen für bis zu 400 Gästen und helfen dabei, Google Business vorwärts zu bringen.

  • 1978

    Karl-Marx-Stadt

  • Paris

  • Malediven

  • 2019

    London

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

2 von 5
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Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich bin im Osten geboren in der wohl sozialistischsten Stadt überhaupt, Karl-Marx-Stadt, zumindest was den Namen betrifft. Wir lernten Russisch in der Schule und sangen kommunistische Lieder. Wir fuhren in die damalige Tschechoslowakei und kauften Coca-Cola dort. Wir hatten kein Telefon zu Hause, nicht mal einen Trabi, sondern einen alten Wartburg. Ich stellte mich 2 Stunden an für Ananas in der Dose, Erdbeeren oder ein Glas Nutella. Ich hatte eine schöne Kindheit und liebe unsere Traditionen im Erzgebirge, vor allem zu Weihnachten. Ich möchte nirgend woanders Weihnachten feiern, die herrlichen handgemachten Weihnachtsdekoration geniessen. Unsere Weihnachtsmärkte sind die besten in der Welt!

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich war 11 Jahre alt, als die Mauer fiel. Das ist relativ jung, auch wenn mir viel in Erinnerung bleibt. Mein Vater war in Westdeutschland geboren und kam als Säugling nach Chemnitz ohne seine Eltern, die im Westen blieben. Deshalb hat er sich oft eingeschränkt gefühlt. Als die Mauer fiel, wurde plötzlich so viel möglich, die Welt war uns offen und meine Eltern wollten unbedingt, dass ich dies nutze. Meine Eltern selbst entschlossen sich auszuwandern. Sie verbrachten mehrere Jahre in Paraguay und auf Grand Canaria. Sie sind aber letztendlich doch wieder nach Chemnitz zurückgekehrt, wo ich sie heutzutage besuche, wenn ich nach Hause komme.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich hätte gern, dass man nicht mehr von Ost- und Westdeutschland spricht. Es ist schade, dass 30 Jahre später immer noch der Unterschied gemacht wird und dass die Deutschen selbst dies nicht überbrücken können. Es muss ein Ende des Rassismus geben, Einigkeit, Recht und Freiheit für jeden. Und wir müssen unseren relativen Reichtum teilen. Wir vergessen zu leicht, wie gut es uns geht und wie sicher man sich in Europa fühlen kann, weshalb die Flüchtlinge sich an uns wenden. Wir müssen zusammenhalten als ein Deutschland, nicht als Ost und West. Viel muss meiner Meinung nach im Westen gemacht werden, die Mentalität zu ändern. Jedoch muss der Osten den Weg zeigen und positives Beispiel sein.