Wir sind der

Osten

Ute Czeschka

Ute Czeschka ist Dipl. Chemikerin, Marketing- und Eventmanagerin und 1969 in Meißen geboren, aufgewachsen in Cottbus, hat später in Merseburg bei Leipzig und in Eschbach bei Freiburg/Breisgau gelebt.

Zurückgekehrt: Ute wohnt heute in Meißen.

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Weshalb bist du gegangen?

Gegangen sind wir mit unserer damals kleinen Familie wegen der Arbeit meines Mannes. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, aber meine Liebe zu Meißen, wo ich als Kind einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe, war groß, so dass es immer mein Wunsch war, einmal hierher zurückzukommen. Zudem wollten wir, dass unser Kinder mit ihren Großeltern aufwachsen. Die Entfernungen hätten das aber nicht ermöglicht. 2003 ergab es sich beruflich für meinen Mann. Damals standen wir vor der Wahl, in die Schweiz oder nach Dresden/Meißen zu gehen. Für mich war klar, ich wollte zu meiner Familie (meine Oma+meine Schwester mit Familie wohnten hier), meinen alten Freunden und in meine Heimat zurück.

Wie gestaltest du die Zukunft?

Vor zehn Jahren habe ich aus einem Marketingprojekt heraus angefangen, mich mit dem sächsischen Handwerk zu beschäftigen. 2010 habe ich daher das Manufakturhaus gegründet, mit dem Ziel, die Manufakturen und Handwerksbetriebe in Sachsen stärken in die Öffentlichkeit zu bringen und diesen Teil unserer Kulturgutes in die Zukunft zu führen. Ehrenamtlich engagiere ich mich seit mehr als 15 Jahren. Beginnend als Elternsprecherin an verschiedenen Schulen, über die Arbeit im Kulturverein bis hin zur Gründung unserer Bürgerinitiative „Bürger für Meißen- Meißen kann mehr „, als Wahlkampfleiterin für Frank Richter im OB Wahlkampf und seit diesem Jahr als Stadträtin in Meißen für die Bürgerinitiative.

  • 1969

    Meißen

  • Cottbus

  • Merseburg

  • Eschbach

  • 2019

    Meißen

Glaubst du, deine Wende-Erfahrung bzw. die Wende-Erfahrung deiner Familie hat dich auch für den Digitalen Wandel gewappnet?

3 von 5
Stimme gar nicht zu
Stimme voll und ganz zu

Fühlst du dich Ostdeutsch?

Ich glaube noch immer, dass ich Ostdeutsche relativ schnell aus einer Gruppe meines Alters herausfinden würde. Wir ticken, denken und geben uns anders, denn wir sind anders sozialisiert. Wir sind offener, weniger aufgesetzt, ehrlicher, fast schon zu gut für diese Welt. Ich denke, wir Ostdeutschen sind geistig flexibler, sind lösungs- und weniger problemorientiert. Zudem haben wir gelernt, zu organisieren, aus wenig viel zu machen. Vor allem Frauen meines Alters sind meist extrem gut ausgebildet, bleiben dennoch beruflich unter ihren Möglichkeiten, da uns alle ein gepflegtes Understatement eint. Auch reden wir nicht lange über ein Problem, sondern packen es einfach gemeinsam an.

Wie beeinflusst dich deine ostdeutsche Herkunft?

Ich persönlich und auch meine Eltern haben keine Brüche in unseren Biografien erlebt. Für mich kam die Wende zum richtigen Zeitpunkt. Für meine Eltern eher zu spät, denn mit ihren Fähigkeiten hatten sie nach der Wende nur noch wenig Zeit, sich im neuen System einen „Namen“ zu machen. Meine Eltern haben mir und meiner Schwester vorgelebt, wie wichtig es ist, sich selbst und seine Arbeit gut zu organisieren. Auch mein straff organisiertes Studium hat dazu beigetragen. Familie und Freunde zu „pflegen“, wurde bei uns groß geschrieben.
Politisch allerdings weiß ich, dass meine Eltern es oft nicht leicht hatten, ihre Ansichten mit ihren beruflichen Ambitionen unter einen Hut zu bringen.

Was wünscht du dir für Ostdeutschland?

Ich wünsche mir, dass wir uns 30 Jahre nach der Wende nun nicht mehr dafür rechtfertigen müssen, ostdeutsch zu sein, vor allem, wenn man noch bzw. wieder in Ostdeutschland wohnt. Ich wünsche mir mehr Selbstbewusstsein von uns Ostdeutschen, den Mut, mitzureden, in wichtigen Positionen mitzugestalten und den politischen Rahmen, der dies erlaubt und fördert. Ich glaube aber, realistisch wird sich die Situation erst mit der Generation meiner Enkelkinder verändern. Meine Kinder sind weltweit unterwegs, Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschen entstehen viel leichter und deren Kinder sind dann sicher einmal Persönlichkeiten mit einer gesunden Mischung aus ost- und westdeutscher Mentalität.