KI und Demokratie: Wie stärken wir junge Stimmen?

Diese Zahl sollte wachrütteln: Laut unserer Umfrage haben mehr als 65 Prozent der 15- bis 29-Jährigen nicht das Gefühl, dass Politik sich um sie kümmert. Das wollen wir mit dem vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekt #mitmachen im Rahmen von „Demokratie leben!” ändern. Denn wir glauben: Junge Menschen haben viel zu sagen. Und Politik sollte ihnen zuhören. Dafür braucht es nur das richtige Werkzeug.

Die Mehrheit der Befragten im Alter von 15-29 Jahren hat nicht das Gefühl, dass Politik sich aktiv um sie kümmert (laut einer Wir sind der Osten-Erhebung im Jahr 2025 unter jungen Menschen in ostdeutschen Bundesländern).

Ostdeutsche Jugendliche: Wollen sie sich engagieren?

Damit unser KI-gestütztes Tool das passende Werkzeug wird, entwickelt die Zielgruppe von Anfang an mit. Deswegen haben #wirsindderosten-Redakteurin Henrike Müller-Mahn, Politikberater Martin Fuchs und Sozialpädagoge Matthias Labisch #mitmachen-Werkstätten in zwei Schulklassen durchgeführt. Zuerst ging es in eine 9. Klasse des Alexander von Humboldt Gymnasiums nach Werdau. Zweiter Stopp war eine 10. Klasse einer Berufsfachschule in Jena, in der junge Menschen im Bereich „Gesundheit und Soziales“ lernen. Mit dabei waren jeweils die engagierten Lehrkräfte: Christina Bohne in Werdau und Tobias Anders in Jena. 

Die Werkstatt-Leiter:innen Henrike Müller-Mahn und Martin Fuchs vor dem Gymnasium in Werdau

Unsere Werkstatt-Leiter:innen haben zunächst über ostdeutsche Identitäten gesprochen. Weshalb unterscheiden wir heute eigentlich noch zwischen Ost und West? Und weshalb ist es gerade als Minderheit wichtig, demokratische Beteiligungsmöglichkeiten zu kennen? Fakt ist, dass ostdeutsche Jugendliche weniger wählen gehen und seltener Mitglied bei einer Partei sind. Allerdings braucht es Beteiligung, damit sich etwas ändert. Und: Die Schülerinnen und Schüler wollen viel verändern. Gemeinsam haben sie an der Tafel Probleme gesammelt, die sie beim Aufwachsen in ihrer Region bemerken.

Ergebnis der Problemsammlung in Werdau

Mit dabei waren Alltagsprobleme wie mehr Busverbindungen, mehr Treffpunkte für junge Menschen, weniger Druck in der Schule oder bezahlbare Mieten. Und auch die ganz großen Themen wie stabile Jobs und Aussicht auf Rente. In beiden Klassen war der Gesprächsbedarf groß. Die Schüler:innen verstehen sehr genau,  dass sich gesellschaftliche Probleme verschärfen, wenn niemand Lösungen entwickelt. 

Matthias Labisch während der Problemsammlung in der 10. Klasse in Jena

Wie kann KI bei der Lösungsfindung helfen?

Interface des Mitmach-Buddies (Prototyp)

In der zweiten Doppelstunde ging es zur Sache. Die Jugendlichen lernten unseren KI-Prototypen, den “Mitmach-Buddy”, kennen. Das Tool soll dabei unterstützen, Herausforderungen anzugehen und demokratische Teilhabe zu stärken. Kann das klappen?

Erfahrung mit intelligenten Chatbots haben hier die meisten. Mit einem Augenzwinkern berichtete Lehrerin Christina Bohne aus Werdau, dass das Arbeiten mit KI bei den Hausaufgaben schon ganz gut laufe. Auch in Jena haben alle schon einmal ChatGPT, Gemini und Co. benutzt. Aber wie promptet man eigentlich richtig und wie kritisch sollte man die Antworten der KI sehen? Nachdem wir das geklärt haben, ging es los. Der Mitmach-Buddy half den Jugendlichen dabei, in kleinen Gruppen ihre Anliegen zu strukturieren, Handlungsoptionen zu entwickeln und konkrete erste Schritte für Lösungen ihrer Probleme zu formulieren. 

Was beispielsweise beim Thema Miete anfangs noch komplex und überfordernd wirkte, wurde durch die gemeinsame Arbeit greifbar. Zuerst haben die Jugendlichen ihr Problem beschrieben: Für sie fehlt besonders der Wohnraum für junge Erwachsene. Damit wollen sie an die Öffentlichkeit. Je mehr Menschen ihre Perspektive kennen, desto mehr Druck können sie machen. Das KI-Tool begleitet diesen Prozess. Er erklärt ganz konkret, wie man eine Demo anmeldet oder bietet an, eine Mail an eine Abgeordnete zu formulieren.  

Lösungsfindung in Jena

Zum Schluss haben alle Gruppen ihre Lösungsvorschläge vorgestellt und dafür den Applaus ihrer Mitschüler:innen geerntet.  Viele waren motiviert, sich nach der Werkstatt gesellschaftlich zu engagieren, zum Beispiel die Mail an die Abgeordnete auch wirklich abzuschicken.

Drei Mädchen stellen ihre Lösungen für fehlende kulturelle Angebote in Jena vor

Junge Menschen wollen sich einbringen 

Die Werkstätten in Werdau und Jena haben uns gezeigt: Junge Menschen haben viel zu sagen. Sie haben konkrete Ideen und klare Vorstellungen davon, was sich ändern muss. Was oft fehlt, sind die Strukturen und Werkzeuge, die ihnen dabei helfen, ihre Anliegen wirksam zu formulieren und umzusetzen. Und genau daran wollen wir mit unserem Projekt #mitmachen weiterarbeiten.